Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 11 (1908)
- Issue
- 3 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2638044-2638087-2638090--0622-2640604- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Lasset uns all sich heut erfreuen, Lasset uns all sich heut erfreuen, Es sey der dreyzehnd April beehrt, Oftmals Vivat, Vivat schreyen, Preiß und Ehren seyn die werth etc. etc." Ferner „Ware abermahl zu sehen ein großes Positiv, so getragen wurde, auff diesem spielte ein in schönster Persianischer Xleydung ausgeputzte Fürstin, ihre Hof-Dame auff einer Violin, nebst zwey andern verkleydeten Jungfrauen mit Harpffen, so zusammen gantz lieblich musicierten, welches die Bedeutung I. Samuel, Kap. 16 v. 6 hatte." Im Zuge kamen dann noch 2 Trompeter und „abermahl ein Trompeter den March blasend." Zum Schluß aber kam noch eine Bauernhochzeit ,.auf einem Laiter-Wagen, mit allerhand Geigen, Pfeifen, Layren und Dudelsäcken." An der, in der Mitte der Judenstadt errichteten Ehrenpforte aber war „ein Chor Trompeter und Heerpaucker" aufgestellt.1) Das zweite, im Zuge getragene große Positiv war von R. Maier Mahler gefertigt und hatte über 400 Gulden gekostet.2) Ganz ähnlich verhielt es sich, einem Berichte der „Vossischen Zeitung" vom 25. Mai 1741 zufolge, auch bei dem am 15. März gedachten Jahres, gelegentlich der Geburt des Erzherzogs Joseph ebenfalls in Prag veranstalteten jüdischen Festzug, bei welchem der jüdische Briefträger mit 2 Trompetern den Zug eröffnete, während später Waldhornisten den jüdischen Gelehrten vorangingen. Ebenso wurde wiederum ein Positiv im Zuge getragen^ auf dem sich der Kantor zuweilen hören ließ. In einer besonderen Abteilung folgten auch „die Juden Spiel-Leute mit der großen Zunfts- Kanne und einem Zettul, worauf das Wort Vivat geschrieben war, auf dem Hute. Einer von ihnen war ein achtzigjähriger und blies als eine Weibes-Person verkleidet den Fagot." Weiter folgten dann auch „die Schneiderzunft mit Musik und vorgetragenen Scheeren, die Posamentiere mit Musik, und die Schuster mit Musik," die sich einen zinnernen Stiefel vortragen ließen. Endlich marschierten auch den jüdischen Hausvätern einige Trompeter voran.3) Bei der außerordentlich großen Anzahl der an diesen Festzügen beteiligten Musikanten liegt allerdings die Vermutung nahe, daß man dabei auch christliche Musikanten oder jüdische Dilettanten zur Aushilfe herangezogen haben dürfte. Daß es solche Dilettanten damals in Prag gegeben, dafür spricht das Klagelied Hirschel Weinschenks auf den, am 30. Okt. 1655 dort verstorbenen Vorbeter Liepmann Popper, in dem es> heißt: „Von schnitzen und mahlen will ich schweigen still/ Darzu alle Saiten spiel/ Schalmeyen und Trumeten/."4) Aber nicht bloß bei profanen Festlichkeiten traten in Prag die jüdischen Musikanten in Tätigkeit, sondern sie stellten ihre Kunst auch in den Dienst der Synagoge. Sehn dt5) berichtet hierüber: „Jedoch gar viele glaubhafftige Juden, die lange in Böhmen gewesen, haben mich 1) Schudt a. a. 0. IV, 3. S. 163 und 168 ff. 2) Ebendas. S. 155. [Grunwald, Hamburgs deutsche Juden 335.] 3) Zeitschrift f. d. Gesch. d. Juden in Deutschland, IV, S. 289 ff. 4) Kaufmann in „Pesachhaggadah von Serajevo" S. 306. 5) A. a. 0. H, 2, S. 284 f.