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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1908-01-01 · 3 (1908) · p. Seite 93

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
11 (1908)
Issue
3 (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 93 (sequence 5)
Language
German
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— 93 — Sanger (Geiger?) (1727), Hirschl But Sohn des Samuel (1737), Baruch Sohn des Jokle Pitzker (1748), Schewtel Sohn des Samuel Miroyiz (1749), und Sabthai Caz (1753). Sicher, wie Popper mit Eecht vermutet, dürften wohl auch die auf den Grabsteinen als „Klappzimmerer" Bezeichneten zu den Musikanten zu zählen sein, da auf einem Grabstein die Inschrift der Vorderseite der Gattin eines Ismael „Klappzimmerer" [Klaffzimmer Klavier, vgl. Glückel von Hameln], die der Eückseite aber der Tochter des „Musikers" Ismael ge-. widmet ist. Popper denkt dabei an Pauken oder Schellen, es ist aber wohl eher an das bei den Klesmorim so beliebte Hackebrett (Cymbal) zu denken. Von solchen „Klappzimmerern" nennen die Grabschriften, außer dem schon erwähnten Ismael: Jacob (1637) und David Sohn des Jacob (ohne Datum), ferner Jacob Ulma Sohn des Mendl (1676) und seinen Sohn Mendl Teinsch (1680). Auch von einem Komponisten geben uns diese Grabschriften Kunde. Die betreffende Inschrift lautet: „Sonnabend, den 3. Nissan 5484 (1724), verschied David Sohn des Cantors Jokew, Futteralmacher; David setzte alle Arten von Liedern in Töne zu singen, auch war er einer von den Kundigen der Musik, desgleichen in unserer Zeit nicht war, deshalb beklagen wir sein Hinscheiden."1) Abgesehen von den uns durch die Grabsteine bekannt gewordenen Prager Musikanten des 17. Jahrhunderts, hören wir durch eine andere Quelle2) auch von einem solchen, Chajim Zimbalista, der, nachdem er die Taufe genommen, in Wallensteins Heer diente. Ganz unverhältnismäßig größer, als sie die erhaltenen Grabschriften vermuten lassen, muß aber in Wirklichkeit die iVnzahl der Prager jüdischen Musikanten, wenigstens im 18. Jahrhundert, gewesen sein, wie aus der Beschreibung der von den Prager Juden dieser Zeit veranstalteten Festzüge hervorgeht. Denn in dem, zur Feier der Geburt des Erzherzogs Leopold am 18. Mai 1716 veranstalteten Festzug waren von Musikanten verteilt: l Zwerg, „so'auff einer Geige spielte", „1 Chor mit Wald-Hörnern und Schalmayen", „Ein Chor der Jüdischen Musicanten in gelb- und schwarz-Spanischer Kleidung mit Juden-Krausen, deren einer einen auff der Geigen streichenden jungen Knahen auf denen Achseln stehend getragen, der Isaac Baß aber die hier beygefügte Arie, so er componirt, überlaut im Tenor gesungen, wozu die übrige, mit ihren bey sich gehabten Musicalischen Instrumenten gespielt haben: Seyd willkommen, ihr lieben Gäste Nach Standes-Gebühr auffs beste. Zu diesem hohen Fest, Vivat Carolus der Sechst etc. etc." „Dann ließen sich hören die Jüdische Schul-Singer, vor welchen ein Positiv getragen und gespielt wurde, mit heller Stimme, den 61. und 12. Psalm singend." Weiter kam „Eine Parthey Jüdische Musicanten, welche vor denen in Prag studirenden frembden Juden daher giengen; die Studenten singend folgendes Lob-Gesang, so sie in hebräischer Sprache in Händen hielten: x) Ebendas., S. 369. 2) imn jtq n'.'lü Nr. 103. (Zeitschrift für Hebr. Bibliographie, VI, 1902, S. 75.) Für gef. Hinweis auf diese und einige weitere Stellen habe ich Herrn Bibliothekar Dr. A. Freimann zu danken.

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