Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 11 (1908)
- Issue
- 3 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 92 — führen. Auf dem Wege dahin tanzen ihr die ehrbarsten Frauen vor, da es Pflicht ist, Braut und Bräutigam zu erfreuen." über die (verschiedene) Zusammensammensetzung dieser jüdischen Musikbanden zu sprechen wird sich noch mehrfach Gelegenheit geben. Im Mittelalter pflegten die jüdischen Hochzeiten meist am Freitag stattzufinden, das am folgenden Tage, dem Sabbat, stattfindende Mahl aber den Mittelpunkt der eine ganze Woche dauernden Festlichkeiten zu bilden. Da nun das Musizieren am Sabbat religionsgesetzlich den Juden verboten ist, so mußten an diesem Tage christliche Musikanten verwendet werden, während an den übrigen Tagen jüdische, Klesmorim genannte Musikanten, soweit sich solche vorfanden, musizierten, wie aus vielen Stellen der ältesten Literatur hervorgeht.x) Genaueres über solche hören wir zuerst aus dem 15. Jahrhundert durch Isr. Ißeiiein, der einen Fall erwähnt, in dem jüdische Spielweiber es unternahmen, umherzuziehen, um bei Hochzeiten durch ihre Künste zu ergötzen, dieses Unterfangen aber schwer büßen mußten, da sie in einer Stadt angehalten wurden, wo man sie zum Abfall zu bringen suchte und diejenigon, die sich nicht durch die Flucht retten konnten,, zum Tode brachte, da sie bald nach ihrem Abfall wieder zum Judentum zurückgekehrt waren.2) Aus annähernd der gleichen Zeit hören wir auch aus Prag einiges über jüdische Musikanten. Dort beflissen sich die Juden, wie Winter3) sagt, von alters beider Musik als Erwerbsquelle; „aus dem 16. Jahrhundert sind Berichte auf uns herübergekommen, daß die Juden die Häuser der Vornehmen abgingen und den Herrschaften vor oder nach den Mahlzeiten aufspielten. Im Jahre 1533 erhielten sie im Hause des Herrn Slavata für ein Aufspielen nach der Mahlzeit zehn oder zwölf Batzen.4) Ein kleines Honorar." Einer dieser damaligen Musikanten, Namens Feitel, wird 1546 unter den Geleitsbriefe besitzenden Prager Juden genannt,5) und einen zweiten dürfen wir aller Wahrscheinlichkeit nach in dem an gleicher Stelle (S. 183) genannten Majer Fidler vermuten. Eine weit größere Anzahl dieser Prager Klesmorim kennen wir aber aus dem 17. und 18. Jahrhundert durch deren noch erhaltene Grabsteine des alten jüdischen Friedhofes, die meist durch eine eingemeißelte Violine oder auch eine Harfe geziert sind. Popper nennt von solchen: Isaak bohn des Salomo Harfner (1607), Abraham (1625), Löb Harfner, Abraham Sohn des Josef Harfner (1645), Efraim Fiedler (1662), Abraham Sohn des Hirsch Kubia (1668), Jekl Sohn Chaims (1688), Simcha Sohn des Wolf Falk (1713), Simon Sohn des Samuel x) Berliner, Aus d. Leben d. deutsch. Juden im Mittelalter, Berlin 1900, S. 51. 2) Terumat Hadesehen Nr. 241 nach Berliner a. a. 0. S. 58. 3) Teige und Winter, Das Prager Ghetto, Prag 1903, S. 82. 4) Kniha komorniho soudu. GL B. 17. 5) Aus Inschriften des alten Prager Judenfriedhofes (in d. Ztsch. f. d. GL d. Jud. in Deutsch!. V, S. 369 f.)