Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 11 (1908)
- Issue
- 3 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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werden, bey Straff" usw.1) Ähnliche Verordnungen ergingen dort auch noch in den Jahren 1700 und 1706.2) Was nun den oben erwähnten Mizvahtanz anlangt, so beschreibt ihn Buxtorf3) folgendermaßen: „Der vornehmste unter den Männern nehme den Bräutigam bei der Hand nnd tanzt mit ihm, welchen sodann die übrigen Männer paarweise im Tanzen nachfolgten, und also machten es die Weiber nach, und wenn sie genug getanzet, so wurde endlich das Hochzeitsfest geschlossen." Auch Bodenschatz4) hatte einmal einem jüdischen Hochzeitsfest beigewohnt und dabei wahrgenommen: „daß sie ebenfalls auf französische und deutsche Manier, wie die Christen getanzet, ob es ihnen gleich nicht so, als wie denen Christen angestanden." Schudt 5) hingegen schreibt: „Tantzen, Hüppffen und Springen ist' der jungen Leut ihre größte Lust darbey (bei den jüdischen Hochzeitsfesten) und hatten sie in Altona einen artlichen Tantz, so sie Abraham sein Pferd nanten, darinn die cadence gar artlich # war." Über die bei den Hochzeiten zu Gehör gebrachte Musik liegen aus dem Mittelalter zwar keinerlei Berichte vor, wir können uns aber trotzdem auch aus solchen der Neuzeit eine zutreffende Vorstellung davon machen, da ja die ganze Hochzeitszeremonie in den orthodoxen Gemeinden — und nur diese können hier in Frage stehen — auch heutigen Tages noch die ganz gleiche ist wie im .Mittelalter. Daniel Strauben, der 1857 in Winzenheim (Elsaß), einer jüdischen Hochzeit beiwohnte und von allem, was er dabei sah und hörte, den Eindruck hatte, in eine andere, längst versunken geglaubte Welt versetzt su sein, berichtet (in der Eevue des deux Mondes) bezüglich der Musik, welche den Brautzug nach der Synagoge geleitete: „Man durchschritt das Dorf unter dem Schalle der Klarinetten, welche gefühlvoll die geweihte Chuppa-Arie spielten, eine gewöhnlich elegische, durchdringende Weise, die mich vielleicht zum hundertsten Male zu Thränen rührte." 6) Ausführlichem ist die Österreich-Ungarn betreffende Darstellung bei Gerson Wolf:7) „Am Vorabende der Hochzeit (wir sprechen hier von solchen, die in kleinen Städten stattfinden) wird dem Bräutigam ein Ständchen gebracht, das, wenn thunlich, eine jüdische ,Musikbande' ausführt. Zum Vortrag gelangt die tiefernste Melodie des Gebetes ,Kolnidre', welches beim Eingang des Versöhnungstages rezitiert wird; hierauf folgen heitere Weisen, unter deren Klängen man den Bräutigam in das Haus der Braut geleitet. Hier wird die ernste Melodie wiederholt und schließlich werden Tanzweisen angestimmt, nach denen sich die Paare im Kreise drehen." Vom Hochzeitstag selbst heißt es dann weiter: „Mittag wird das Gebet, in der Kegel in dem Hause des Bräutigams, verrichtet. Die Musik spielt wieder die ernste Weise vom Vorabende des Versöhnungstages und der Bräutigam rezitiert den Theii des am Versöhnungstage üblichen Gebetes, welcher das Sündenbekenntnis enthält" . . . „Nach vollendetem Gebete beginnen wieder die heiteren Weisen der Musik, und der Bräutigam begibt sich in Begleitung der Beistände, Verwandten usw. zum Trauhimmel. Da wird er von dem Babbiner und den Gemeindebeamten usw. mit dem hebräischen Spruche: „Gesegnet sei der da kommt usw." empfangen. Hieraufzieht die Musik zur Braut, um sie nebst ihrer Begleitung abzuholen und sie zum Trauhimmel zu i) Ebendas., S. 154. 2) Scheidt a. a. 0., S. 139 u. 143. 3) Synagoga Judaica p. m. 638. 4) Kirchl. Verfassung d. heut. Juden. Frankf. u. Leipzig. 1748, IV, S. 127. 5) A. a. 0. H, 2, S. 5. 6) Monatsschrift für Geschichte u. Wiss. d. Judent. 1858, S. 144 f. Die Juden etc. Wien und Teschen 1883, S. 121 ff. 1*