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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1908-01-01 · 2 (1908) · p. Seite 85

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
11 (1908)
Issue
2 (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 85 (sequence 45)
Language
German
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und zur Lektüre dieser Schriften ermahntenDenn das religiösethische Moment ist es zunächst, welches dieser Literatur innerhalb der maßgebenden Hauptrichtung eine ungemein charakteristische Bedeutung verleiht2) und etwaige Mängel an feinerer ästhetischer Kultur und Originalität, die ihr als sekundärer Erscheinung der jüdischen Literatur anhaften, gern vermissen läßt. Freilich mußten die religiös-ethischen Schriften bald einer profanen Unterhaltungslektüre ohne sittlichen Wert Platz machen, bis allmählich der Blütezeit die Epoche des Verfalles folgte, in der eine arge Verwilderung und Geschmacklosigkeit die Oberhand gewann3). Das war das Schicksal einer Poesie, aus deren Werken bald die elegischen Klänge der Bedrängten, bald die beseligenden Hymnen der auf Erlösung Hoffenden ertönten; denn wie jede Volkspoesie war ja auch die jüdisch-deutsche aus dem tiefsten Herzensbedürfnis des Volkes hervorgegangen. 3idrmn sol kenn fon sich selbr lernn, 5un' sol nit derfen 3ein rabbi der 3in das" cißvi (d. Jiebr. Sprache) fr teitsn sol. —Vgl. Grünbaum, Chrestomathie, S. 203 f. Weitere ähnliche Vorreden siehe: Ebenda S. 549 f.; Wagenseil, Belehrung der Jüdisch-Teutschen Med- und Schreihart, S. 119, 158—9; Steinschneider, Suppl. Catal. Bodl, Nr. 176 (1183); Ders., Serapeum 1869, S. 155; Perles, Frankels Monatsschrift 1876, S. 355, Anm. 1; Waldberg, Geigers Zeitschrift III, S. 83. 1) Steinschneider, Hebr. Bibl. VIII, S. 151; Karpeles, Gesch. d. jüd. Lit. H, S. 1005. 2) Grünbaum, Chrestomathie, S. 193f. — Wenn jedoch Grünbaum ebenda behauptet, daß die profan-belletristische Literatur in deutscher Sprache bei den Juden wenig bekannt war, so ist das ein Irrtum, auf den schon Rosenberg, über eine Sammlung deutscher Volks- und Gesellschaftslieder in hebr. Lettern, S. 7, Anm. 2 hingewiesen hat, und welcher später von Grünbaum selbst berichtigt wurde. Vgl. Grünbaum, Die jüdisch-deutsche Literatur, S. 4; Glidern an n, Erziehnngswesen, S. 159. Siehe auch erste Fortsetzung der Abhandlung. 3) Über die verschiedenen Phasen dieser Literatur siehe: Rosenberg, a. a. 0. S. 7—8; Wiener, The history of Yiddish literature in the nineteenth Century, New York 1899. [Zu den Werken von Rosenberg und Wiener ist zu vgl.: Frankel, Literaturbl. f. germ. u. rom,. Philologk 1890, Sp. 366 f., 1901, Sp. 3861] — Gerzon, Die jüdisch-deutsche Sprache, S. 15 bemerkt richtig, daß die jüdisch-deutsche Literatur des XIX. Jahrh. nicht ohne weiteres als Fortsetzung der früheren zu betrachten sei. (Fortsetzung folgt.)

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