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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1908-01-01 · 2 (1908) · p. Seite 82

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
11 (1908)
Issue
2 (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 82 (sequence 42)
Language
German
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— 82 — da die meisten dieser Schriften Übersetzungen oder Reproduktionen hebräischer Bücher sind. Die jüdisch-deutsche Literatur bietet also ein Miniaturbild der jüdischen Literatur, sie ist eine traditionelle Literatur von vorherrschend ethisch-religiöser Bedeutung "1). Da bei den deutschen Juden der Wille, der deutschen Nation anzugehören, deren Sprache selbst bei den Verbannten Jahrhunderte lang heimisch blieb, von altersher stark ausgeprägt war, sie andererseits aus innerer Neigung an ihrer religiösen Eigenart zähe festhielten, so entstand diese Volksliteratur also aus dem Bedürfnis, deutsches Geistesleben, das sich überall im Judentum ausbreitete, und was sonst aus dem Kreise ihrer christlichen Umgebung zu ihnen in Beziehung trat, dem traditionellen heiligen Schrifttum einzuverleiben2). Infolge der eng gezogenen Grenzen ihrer bürgerlichen Existenz, die sie vom öffentlichen, gemeinnützlichen Leben möglichst fern hielten und ihnen eine stille und zurückgezogene Lebensweise auferlegten, dabei von großer geistiger Regsamkeit, konnte ihr heißer Bildungsdrang nur durch die Lektüre gestillt werden. Auf diese wurden sie zunächst gelenkt und sammelten, im engsten Anschluß an die deutsche Literatur, was von deren Schätzen ihrem Geschmacke entsprach, vereinigten sie in handschriftlichen Sammelwerken oder vervielfältigten sie in einer eigens dazu verwandten Schrift, einer Abart der rabbinischen3), durch den Buchdruck, an deren Erfindung sich bekanntlich die Juden durch Anlegung großer Druckereien schon frühzeitig beteiligten4). Das ist die historische Entwickelung und Bedeutung einer Literaturströmung, welche sich aus den sozialen Verhältnissen der Juden erklären läßt und uns die Kenntnis der Kultur- und Sittengeschichte damaliger Zeit so trefflich vermitteln hilft. „Wahre Volksschriften," sagt Steinschneider, „sind aus dem x) G-rünbanm, Die jüdisch-deutsche Literatur, S. 1. 2) Delitzsch, Zur Gesch. d. jüd. Poesie, S. 80f.; Von der Hagen, Die romantische und Volksliteratur der Juden in jüdisch-deutscher Sprache (Abb. d. Kgl. Akademie d. Wissenschaften zu Berlin ans d. Jahre 1853, phil.-hist. Klasse), S. 1; Ave-Lallemant, Das deutsche Gaunertum HE, S. 207; Grüdemann, Erziehungswesen, S. 158f.; Liebe, Das Judentum in d. deutschen Vergangenheit, S. 56. 3) Lotze, Archiv f. Literaturgesch. I, S. 93. 4) Steinschneider u. Cassel, Jüdische Typographie (AUg. Encyklopädie herausg. von Ersch u. Gruber XXV3H), S. 21—94; Steinschneider, Catal. Bodl, S. 3095—3104.

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