Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 11 (1908)
- Issue
- 2 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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— 78 — zu haben, einen Genuß bereitet1). R. Eleazar tradiert sogar: Wer am Sabbat fastet, der wird auf 70 Jahre seiner bösen Verhängnisse enthoben2), weil er sich des Sabbatyergnügens beraubte, aber eben darum muß er noch einen Fasttag halten, um sich damit das verlorene Vergnügen zu ersetzen, oder besser, für die Entweihung des Sabbat zu büßen3). In dieser Beziehung jedoch steht der Sabbat hinter anderen Festtagen, denn während es dort MI? heißt, wird da nfiftt) befohlen, wo unter keinem Umstände gefastet werden darf4). Das Traumfasten hat Low ausführlich behandelt5). Zur Ergänzung dürften nur noch einige Stellen angeführt werden: Eine „kleine Prophetie" ist es, wenn auch ein Schlechtes bedeutender Vers in den Sinn kommt, man daher fasten muß6). Man ist auch verpflichtet zu fasten, wenn man über seinen Nebenmenschen Schlechtes träumt, denn es heißt: Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst7). Simon b. Cemach erlaubt nur das Traumfasten, wenn man über sich selbst träumt; wenn aber ein anderer über Einen träumt, darf man nicht fasten8). Um dem Fasten zu entgehen, können Träume und deren Deutung auch verkauft werden, wenn sich dazu ein Käufer findet. Bin Christ deutete dem anderen, daß er sterben werde. Der Deuter kaufte den Traum für einen Trunk ab und starb am folgenden Tage9). In unserer Zeit soll man das Traumfasten am Sabbat unterlassen, da wir ohnedies nicht wissen können, ob der Traum Gutes oder Böses bedeute. Will man aber unter allen Umständen fasten, so verschiebe man es auf einen Wochentag, um den Sabbat nicht durch Selbstquälung zu entweihen10). i) Tur Or. Chaj. 220. 2) Berach. 31b. 3) Tur Or. Chaj. 288. *) Maharil 32b. 5) Ges. Sehr. I. 111 ff. 6) Sefer Cliass. 90. S. oben. i) Das. 250. 372. 8) Resp. IL 128—129. 9) Sefer Cbass. 373. Kiccur Sckeloh ed. Venedig 47 b.