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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1908-01-01 · 2 (1908) · p. Seite 75

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
11 (1908)
Issue
2 (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 75 (sequence 35)
Language
German
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— 75 — erobert1). Wie man aus zwei Worten ein drittes, dem Traume entsprechendes kombinierte, möge folgendes Beispiel zeigen: Wer im Traume ein Kamel sieht, dem ist im Himmel der Tod bestimmt, er wird aber gerettet2). Das folgt aus Gen. 464, wo rb$ ttt in bttä zusammengezogen werden kann und bedeutet, daß Jakob den Tod nicht zu fürchten habe. Dieselbe Bedeutung hat II. Sani. 1213 niftf) ab . . . da, das auch btto ergibt. Im Sohar3) wird die Bedeutung des Kamels durch iblttä (Proy. 1917) erklärt: Das Kamel bedeutet das strenge Gericht Gottes und darauf zielt die Erzählung der heiligen Schrift, daß Eebekka vom Kamele herabfiel, als sie ihren künftigen Gatten erblickte. Eigentlich sah sie das strenge Gericht und darüber war sie erschrocken. Jüdische Traumbücher aus früherer Zeit erwähnt Almoli und gibt auch einige Auszüge aus denselben. Schneit4) erwähnt einen Herz Kabbi Uzers, der ein jüdisches Traumbuch ins Deutsche übertragen hätte. Einen Artemidoros, wie die Griechen, haben wir nicht aufzuweisen. Zwar teilt Josephus5) mit, daß einige Essener sich durch Prophezeiungen und Traumdeutungen auszeichneten, ihre Produkte wurden aber sicherlich nicht aufgezeichnet und dürften sich nur im Volksmunde erhalten haben, daher wir in vielen Fällen zwischen mehreren Völkern Ähnlichkeiten finden, welche — wie die Sagen überhaupt — auch ihre Wanderungen mitmachten. Und wenn Krauß6) die Traumdeutungen des Mittelalters aus Artemidoros, Astrampsychos und Jamblichos schöpfen läßt, so haben diese ohne Zweifel aus noch älteren Quellen geschöpft. Zur Abwendung böser Verhängnisse, welche durch Träume entstehen könnten, werden besonders drei bis auf den heutigen Tag befolgte Eezepte vorgeschrieben: 1. Gebet, 2. den Traum sich zum Guten auslegen lassen (dlbn ratan) und 3. Traumfasten (dlbn nw). ß. Eleazar sagt: Wenn du böse Träume hast, oder im Traume böse Verhängnisse siehst, so flüchte zu drei Dingen: Wohltätigkeit, Gebet und Buße. E. Ammi fügt hinzu: auch Fasten7). Die Traumverbesserung kennen nämlich die palästinensischen Quellen nicht, wie Low8) beweist, daher auch im Jeruschalmi9) bloß ein Gebet angeordnet wird, welches man nach dem babylonischen Talmud10) während des Priestersegens zu verrichten hat und das auch in unsere Gebetbücher aufgenommen wurde. Dieses Gebet ist in seiner Zeit unbedingt zu verrichten ohne Rücksicht darauf, ob man nachts vorher geträumt hat, oder nicht. Es hat auch auf Träume, die man lange zuvor hatte, Rückwirkung11). Daß der Priestersegen den bösen Traum unschädlich macht, kommt i) Lehmann a. a. 0. IL 188. 2) Berach. 56b. 3) n 236a. 4) a. a. o. IV 365. *) Antt. XV 10. XVII 13; Bell. jnd. I. 3. e) Ur-Quell V. 7) Jalk. Kohel. zu 52 971§. 8) Ges. Sehr. I. 113. 9) Berach 9a*5. m>) Berach. 55 b. u) Sch. A. 0. Ch. 130. Mag. Abr.

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