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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1908-01-01 · 2 (1908) · p. Seite 74

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
11 (1908)
Issue
2 (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 74 (sequence 34)
Language
German
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_ 74 — holende m war ein günstiges Zeichen und der Regen kam1). Diesen Buchstaben trug der Brudermörder Kain am Arme, um vor Angriffen geschützt zu sein2). Auch bei den Christen hat die Neunzahl beschirmende Wirkung. Wer bei der Weihnachtsmesse auf einem Schemel aus neunerlei Holz steht, der erkennt die Hexen3). Und wer fürchtet bezaubert zu werden, der dünste sich am Johannistage mit neunerlei Gräsern4). Nötigenfalls nahm man zur Zerlegung des Wortes, dem sogenannten Notarikon Zuflucht, oder man kombinierte aus zwei Wörtern eines, das einen gewissen Sinn gab. So bedeutet Ismael, Gott erhört ihn, auf Grund Gen. 16u oder 1720. Sieht man eine Katze (bilnfi) im Traume, so hängt die Bedeutung von der Mundart ab. Wo sie aiäTD — spr. schunnarä — heißt, zerfällt das Wort in m ^ytö eine schlechte Veränderung im Geschicke, wo man sie aber »äTilö nennt, bedeutet es n&tt milD ein freundliches Los5). Wer Trauer im Traume sieht, den beschützt der Himmel; er wird erlöst. Es wird aber bedungen, daß er das Wort geschrieben sehe, denn on und Ott können gleich scheinen, aber nicht lauten, während und niö sich schon ziemlich gleich sind6). Ähnlich etymologisierte man mit Hilfe des Griechischen, wenn das Hebräische nicht ausreichte. Ein Mann erzählt E. Josua b. Chalafta, nach einer anderen Version dem ß. Ismael (b. Joße), man habe ihm im Traume gesagt, er gehe nach Kappadokien, um das Vermögen seines verstorbenen Vaters zu übernehmen. War dein Vater je in Kappadokien? Nein. So gehe und suche unter dem (zehnten) zwanzigsten Balken deines Hauses. Er suchte und fand dort einen Schatz7). Auf ähnliche Weise helfen sich auch andere Traumdeuter. Als Alexander d. G. das wohlbefestigte und wacker verteidigte Tyrus sechs Monate hindurch vergebens belagerte, wäre er schon unverrichteter Sache abgezogen, wenn ihn zufällig ein Traum nicht zur Fortsetzung der Belagerung ermutigt hätte. Er träumte, daß auf seinem Schilde ein Satyr tanze. Sein Traumdeuter Aristandros erklärte ihm, daß er den hartnäckigen Widerstand brechen und die Stadt erobern werde, denn Satyr bedeute: occ-tvqoq (Tyrus ist dein). Und die Stadt wurde i) Taan. 24b. 2) jaik. Eub. 22a. 3) Lehmann a. a. 0. L 157. 4) Das. 158. 5) Almoli a. a. 0. 10a. Nach. Berach. 56b üegt der Unterschied in und fctWö, was aber den entsprechenden Gegensatz nicht ergibt, da ihm das Hauptgewicht auf h&tt und 3^ zu liegen scheint. (Es verdient bemerkt zu werden, daß für das syrische sunnärä, Katze die Nebenform fcttTO vorkommt. PSm. Thesaus syr. 4107. 4328. J Low.) 6) Berach. 57a, Bab. Kam. 55a. 7) tirprtsp bedeutet den zehnten oder zwanzigsten Balken. Daß man mit dieser Etymologie schon frühe nichts anzufangen wußte, beweist, daß nach einer Version zehn (i?pi — dexa), nach der anderen zwanzig Balken (aap vAjtTta) zu zählen sind. Der Buchstabe ü — x hat nämlich den Zahlenwert von zwanzig. Entweder bedeutet xaTtTta Balken, oder döxoi. Nach j. Maas scheni 55b53 scheint man unter aap Balken und unter trpi (zehn) an+ipi verstanden zu haben. S. Krauß, Lehnw. 559. Berach. 56b; Gen. r. 6812; Echa r. lv

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