Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 11 (1908)
- Issue
- 2 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2638044-2638087-2638089--0599-2640580- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— .12 — der heil. Schrift, welche ihrem Lebenswandel oder ihrem Inhalte entsprechend gedeutet werden. David, der König und Ben Azzaj, der Tanna, die Psalmen und das Hohelied bedeuten Frömmigkeit; Salomo, der König und E. Jehuda, der Patriarch, Ben Zoma, der Tanna, die Bücher Ezechiel, Prov. und Pred. lassen auf Weisheit hoffen: der König Achab, der Märtyrer Ismael b. Elischa, der Apostat Elischa b. Abuja (Acher), ferner die Bücher Jeremija, Hiob, Echa stellen Unglück in Aussicht. Hingegen lassen die Bücher der Könige Größe, Jesaja Trost, Ester Wunder, und Eliezer b. Azarja, der reichste Mann seiner Zeit, Reichtum erwarten1). Zumeist hängt die Bedeutung des Traumes von dem Verse der heil. Schrift ab, mit dem er in Verbindung gebracht werden kann. Es bedarf jedoch großer Vorsicht, wo sich zwei entsprechende, aber entgegengesetzte Bedeutung enthaltende Verse finden. Da muß dafür gesorgt werden, daß man zuerst an den gute Deutung bietenden Vers denke, da sonst der Fehler nicht mehr gut zu machen ist. R. Chanan lehrt: Drei Dinge gibt es, die im Traume gesehen Frieden bedeuten: ein Strom, ein Vogel und ein Topf. Als Belege dienen Jesaj. 6612. Ich leite ihr wie einen Strom Frieden zu; das. 315. Wie über ihre Jungen schwebende Vögel, wird der Herr Zebaoth Jerusalem beschirmen; das. 2612 Gott verleihe uns Frieden2). R. Josua b. Levi macht darauf aufmerksam, daß man beim Erwachen ja an die erwähnten Verse denke, da sonst ein anderer, das Gegenteil deutender in den Sinn kommen könnte: Wie ein Vogel von seinem Neste verscheucht, Prov. 278; Er kommt wie ein beengter Strom, Jesaj. 5919; Setze zu den Topf, ,:setze zu, Ezech. 243. Auch Weizen bedeutet Frieden, weil beide Wörter in einem Verse vorkommen (Ps. 14714)3). Manchmal genügt ein Wort, um dem Traum eine gute oder schlechte Deutung zu geben. Wer Palmen im Traume sieht, der wird seine Sünden los, weil die ersten zwei Buchstaben von ntin (Palme) mit Oh (Echa 422) in Verbindung gesetzt werden. Der Ethrog bedeutet Gefallen vor Gott, weil beide Tin bedeuten. Die Myrte zeigt Glück an, denn Din und Ester hadassa hängen zu-!) Berach. 57b. 2) Berach. 56b. An letzterer Stelle ist wohl vom Topfe keine lEede, aber das Verbum fistt wird gewöhnlich vom Zusetzen des Topfes auf den Herd gebraucht. II Kön. 438, Ezech. 243. 3) Daselbst wird noch eine ganze Anzahl solcher Deutungen angeführt, aber die 'erwähnten Beispiele dürften genügen. Hervorgehoben zu werden verdient noch der Traum E. Ammi's, der zur Begierungszeit des Kaisers tWisf? träumte, daß jetzt iü^Sra regiere. Da auf diesen üto (Gen. 3643) folgt, so folgert er, daß dieser der letzte Kaiser Eoms sein werde. E. Chanina aus Sepphoris erklärt auch den Namen öW daher, daß er für den Messias Schätze sammeln werde (Gen. r. 83. 4). Wenn nun nach Krauß (Lehnwörter s. v.) unter Diocletian gemeint ist, der in die Zeit E. Ammi's gut hineinpaßt, so muß unter seinem Nachfolger Constantin gemeint sein, der erste christliche Kaiser Eoms, der in der Tat über große Schätze verfügte und einen solchen Aufwand entfaltete, daß er bei seinem Einzüge in Eom auf einem goldenen mit Edelsteinen verzierten Wagen saß. (S. Schlosser, Weltgeschichte HI. 586.) Nach L. Low ist unter Magdiel Valentinian H zu verstehen. Ges. Schrift. IL 41.