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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1908-01-01 · 2 (1908) · p. Seite 71

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
11 (1908)
Issue
2 (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 71 (sequence 31)
Language
German
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— 71 — Die Traumdeutung geschah auf verschiedene Weise: In der Bibel werden Träume sj^mbolisch, bei Pharao, oder allegorisch, bei Nebukadnezar gedeutet1). Später werden auch nach diesem Muster Träume gedeutet, aber es herrscht schon auf diesem Gebiete eine solche Willkür, daß man nicht einmal beiläufig eine Regel oder ein System angeben kann2). Jedoch läßt sich mit Bestimmtheit konstatieren, daß die Bibliomantie in den Vordergrund tritt. Wie die Veden bei den Indern, Homer bei den Griechen, Ovid bei den Römern, das alte und neue Testament bei den Christen, der Koran bei den Mohamedanern im Dienste der Zauberei standen, so wurde die heil. Schrift, einzelne Verse, Wörter, Buchstaben zu Traumdeutungen verwendet. Manchmal nahm man zur Tradition Zuflucht, wenn die Bibel nicht ausreichte; manchmal sogar zur griechischen Sprache, um einen Stützpunkt zur Deutung zu finden. Es würde zu weit führen, die in der jüdischen Literatur zerstreuten, besonders im Traktate Berachoth aufgezählten verschiedenen Traumauslegungen anzuführen3), wir müssen uns daher auf einzelne Beispiele zur Charakterisierung der Traumdeutung beschränken. Die oben erwähnten Träume Pharao's, Mordechaj's und die von R. Ismael b. Joße gedeuteten4) werden teils symbolisch, teils allegorisch ausgelegt. Wer im Traume seine Kleider zerreißt, wird gegen Unglück behütet. Nacktheit bedeutet in Babylonien sündenlos, in Palästina unfromm. Wer eingesperrt wird, den behütet man; wird er in den Stock gelegt, soll er noch größere Obhut genießen; wird er aber mit Stricken gebunden, hat es schon ungünstige Bedeutung5). Wie verschieden die Symbolik gehandhabt wird, geht aus folgendem Beispiele hervor: Nach dem Talmud bedeutet die weiße Farbe stets Gutes. Weiße Trauben lassen immer Gutes hoffen, ebenso ein weißes Roß, während im ostpreußischen Volksglauben ein Schimmel vom Himmel kommend einen sicheren baldigen Tod prophezeit6). Man liebte es überhaupt, das Gegenteil des Traumes hervorzuheben. Bei den Votjaken galt auch der Volksglaube: Im Traume weinen bedeutet Freude; die Geburt eines Menschen sehen zeigt einen Todesfall an, während einen Toten sehen Gutes bedeutet7): Hervorgehoben werden berühmte Personen oder Bücher dann geben die drei Gottesnamen: ttW min mn die Zahl 66 -(- 13 79, wie äb'bn Das Tetragraminaton, womit die 13 Attribute Gottes beginnen, kann auf diese hindeuten. öii"6tf 86 entspricht im Zahlenwerte hb=85-f-l? wenn man das Wort selbst auch für eins nimmt, was in der Kabala oft geschieht. Der Sinn wäre -also: Beim Priestersegen habe man an die drei Gottesnamen und 13 Attribute zu denken, die dem Zahlenwerte des aramäischen sS^&tt entsprechen und der Deuter sage: Die Deutung gehöre Gott an und darauf hat Josef hingewiesen mit dem Worte tnftiab, daß alle Träume dem Munde, d. h. Gott folgen. x) Blau, Jew. Encycl. s. y. dream. 2) Blau, Zauberw. 147, ungar. Ausgabe. 3) Die meisten hat Sal. Almoli in seinem rwön )VT\Zi geordnet und aufgezählt. 4) j. Maas, scheni 55b, Echa r. I. 1. 5) Berach. 57 a. 6) Das. 56 b, Ur-Quell V. 203. Das. I. 161.

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