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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1908-01-01 · 2 (1908) · p. Seite 70

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
11 (1908)
Issue
2 (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 70 (sequence 30)
Language
German
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— 70 — der aus den verschiedenen Umständen und Verhältnissen des Träumers die Wahrheit herauszufinden versteht. Die Formel will also sagen, daß die Wichtigkeit des Traumes von den Fähigkeiten des Deuters abhänge. Daher können zwei ganz ähnliche Träume, wie die der beiden Beamten Pharao?s, entgegengesetzte Bedeutungen haben. Es ist ein großer Unterschied, wenn ein Räuber träumt, man habe ihn gehängt und wenn dasselbe einem Gelehrten passiert, wie z. B. R. Chanina im Traume sah, man habe Rab an einen Baum gehängt, woraus er — wie es das Faktum bezeugt — richtig folgerte, er werde Schuloberhaupt werden1). Auch die entgegengesetzten Auslegungen Bar Heclja's seien derart zu verstehen2). In einem längeren Exkurs3) tritt auch Samuel Askenazi hain rßrt für den Traum in die Schranken. So erklärt auch Raschi die Worte R. Chisda's: Ein ungedeuteter Traum ist wie ein ungelesener Brief, d. h. er bedeutet weder Gutes noch Schlechtes, denn jeder Traum folgt der Deutung4). Während Samuel Edels die Worte so nimmt, wie sie sind, daß die Erfüllung des Traumes ganz vom Deuter abhänge, will es nach En Jakob bloß soviel bedeuten, daß der Deuter den Träumenden zur Buße ansporne und ihm den Traum zum Guten auslege5). Andere beziehen wieder das Wort riö auf den Träumer. Jeder träumt des Nachts, womit er sich des Tages über beschäftigt, r»ö bedeutet also soviel wie ninn d. h. worüber man des Tags spricht. Diese Erklärung bekräftigt auch R. Jonathan: Man träumt nur die Gedanken des Herzens, was eigentlich unsere Formel in anderen Worten ausdrückt, riö kann sich aber auch auf die zum Nachtmahl verzehrten Speisen beziehen. Wie bereits erwähnt, hat man nach einem opulenten Nachtmahle viele und wirre Träume, also alle Träume folgen dem die Speisen aufnehmenden Munde6). Diese letzteren Kombinationen fallen nach der Erklärung Bachers weg. Da nämlich in den palästinensischen Quellen "p^nsn, in den babylonischen fi£>M steht, muß letzteres derart entstanden sein, daß man das Wort 'j-nmött nicht ganz ausschrieb, sondern bloß die ersten zwei Buchstaben mit einem Abkürzungszeichen: 'sn. Die Abbreviatur wurde dann irrtümlich in rfofi aufgelöst7). l) Joma 87b. 2) Akeda, Gen. 29. 3) Gen. r. 89. 8. 4) Beraeh. 55a. Er benutzt die im Jeruschalmi erwähnte Formel ynriöfi "ina 5) En Jakob Beraeh. 55. 6) Das# 7) BEJ. XXVn Ulft. Im Machsor Vitry S. 48. werden die Worte: „AUe Träume folgen dem Munde" mit der Bemerkung: „des ersten Deuters" ergänzt. Demnach hätte es genügt, wenn von den 24 Traumdeutern Jerusalems die Deutung des ersten sich bewährte. Es steht aber auch mit der Tradition im Widerspruche, da sich Pharao zuerst von seinen Weisen den Traum deuten ließ und erst dann an Josef die Eeihe kam, als der König mit ihrer Auslegung nicht zufrieden war (Gen. r. 89. 6). Dieser Zusatz ist als willkürlich zu betrachten. Eine unverständliche Stelle im Jalkut Eubeni (66a) lautet: trrmwD msp )-o -rastt tbw® mro ■p*» mwi "?i Hrh hin rHn &obr\ nm ha '-ta kvid mns trrbxb itib iraam Sbhn nnn amw mnsn nnn •nsn ^inat •füVin niai^nn zpr b® anis^i ^ap ■pw Das gibt nur so einen Sinn, wenn man für .mTa das gewöhnliche ntro & liest,

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