Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 11 (1908)
- Issue
- 2 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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— 69 — kam zu R. Eleazar und erzählte, sie habe im Traume gesehen, daß der Balken ihres Hauses zerbrach. Du wirst einen Sohn gebären, war die Antwort des Meisters und so geschah es1). Nach einer Zeit kam die Frau wieder mit demselben Traume, da sie aber den Lehrer nicht fand, erzählte sie ihn den Schülern. Du wirst deinen Mann begraben, antworteten sie. Als dies der Meister hörte, machte er ihnen Vorwürfe: „Ihr habet einen Mann umgebracht", denn der Traum folgt der Deutung, wie es heißt (Gen. 4113): Wie er uns deutete, so geschah es2). Eine andere Geschichte erzählt E. Bannaah3): „Es waren 24 Traumdeuter in Jerusalem, ich ging zu jedem einzelnen und jeder deutete mir anders meinen Traum und alle Deutungen bewährten sich. Hieraus folgt, daß alle Träume dem Munde (des Deuters) folgen4). Er beruft sich auch auf den obengenannten E. Eleazar, der auf Grund des erwähnten Verses diese These aufstellte. Dieselbe Erfahrung machte Eaba. Er und Abaj hatten gleiche Träume und ließen sich sie von einem Bar Hedja genannten Deuter auslegen. Weil aber ersterer nicht zahlen wollte, letzterer hingegen zahlte, so deutete er jenem Schlechtes, diesem Gutes und Eaba kam zur Einsicht, daß Tom Deuter das Geschick des Träumers abhänge5). In diesem Sinne faßt es auch E. Jehuda der Fromme auf. Weil der Traum von Gott kommt, folgt er der Deutung, ähnlich der Thora, deren Sinn auch von der Erklärung abhängt. Und wie sich diese auf verschiedene Wreise erklären läßt, so geschieht es auch mit dem Traume6). Diese aus dem babylonischen Talmud zitierte Formel gab zu verschiedenen Erklärungen Anlaß. Es scheint, als hätte der Traum überhaupt keine Bedeutung und das Schicksal des Träumers hänge allein von der Willkür des Deuters ab. Nun ist es aber kaum denkbar, daß Eaba, weil er nicht zahlen wollte oder konnte, von demselben Traume Unglück zu erwarten hätte, welcher Abaj. weil er zahlte, eine schöne Zukunft weissagte. Dieser Geringschätzung des Traumes widerspricht auch die heil. Schritt, die ihm doch eine wichtige Eolle zuteilt. Daher auch Ibn Ezra zu Gen. 408 „die Deutungen sind bei Gott" erklärt: Nur Gott allein kenne die Deutung des Traumes und was Josef sagt, ändere an der Sache nichts. „Die Träume folgen dem Munde" sei private Ansicht, also unwahr. Dieselbe einsieht vertritt Menachem b. Zeraeh7). Isak Arama will dem Traumdeuter die Autorität nicht ganz absprechen, fordert aber, daß er ein kundiger, gelehrter Mann sei, 1) Von der Wurzel '■fina brechen wird "üDft Geburtsstuhl gebildet und da das Wort immer mit MS im Zusammenhange steht, so folgt daraus, daß es ein Sohn sein werde. 2) j. Maas. sch. das. Gen. r. 89. 8; Echa r. 1. 1. Jalkut ypn 1472, wo die Frau dasselbe dreimal träumte. Das Wort nie«! bezieht sich demnach nicht auf Pharao, sondern auf Josef, der Kraft seiner Deutung den Mundschenk ins Amt zurücksetzte. J. Esra z. St. Sohar I. 194b. 3) Berach. 55b. *) inain Tis iptibnti nwilnü 5) Berach. 56a. «) Sefer Chass. 373. t) a. a. 0.