Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 11 (1908)
- Issue
- 2 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 67 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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— 67 — Gottes saget mir deutliche Worte und offenbaret mir jedes Geheimnis, um welches ich euch befrage und verhehlet mir kein Wort davon. Wegen aller heiligen Namen, die Ps. 23 enthält und wegen aller Verse, die ich vor euch gelesen habe. Amen. Das Ganze muß niedergeschrieben, und vom Papiere abgelesen werden. Dann lege man das Manuskript unter das Koptkissen und schlafe. Es wird mit Nachdruck empfohlen, nichts zu reden, auf der linken Seite zu liegen, allein im Zimmer und im Bette zu schlafen, das Zimmer, die Kleider, das Bettzeug, das Hemd rein zu halten, mit der Hand nicht den Körper zu berühren, sich der Frau zu enthalten. Wenn wir in Betracht ziehen, wie viel Zeit diese Prozedur beansprucht, ist es natürlich, daß man andere, weniger Zeit und Mühe erfordernde Mittel suchte. Als solches wird empfohlen, folgende mystische Namen auf die linke Hand zu schreiben: ü"te>&, rf bätiftl, b^ttr™, v^yio, arfiisfc. Die beschriebene Hand lege man unter den Kopf und schlafe auf dieser Seite, bis die AntAvort kommt. Ein etwas kostspieligeres Eezept ist, Gold zu nehmen, darauf s^S|&ö (sie) zu schreiben und es unter den Kopf zu legen. Am bequemsten ist es, den Vers Num. 126 zweiundsiebzigmal — dem Gottesnamen entsprechend — mit großer Andacht zu rezitieren. Im jedem Falle soll man das vorhergehende Fasten, das rituelle Bad und sonstige Keinigungen nicht unterlassen. Simon b. Gemach Duran begründet das Traumverlangeu logisch: Wie die Seele nur im Schlafe auf die Einbildungskraft wirkt, weil da die Sinne ruhen, so schwindet durch das Verlangen und durch die dabei hergesagten Worte die Denkungskraft und gewinnt die Einbildungskraft1). Von Eab berichtet der Talmud, daß er auf den Friedhof ging und dort tat, was er tat. Nach ßaschi beschwor er die Toten, um zu erfahren, woran sie gestorben seien; nach Aruch machte er ein Traum verlangen2). Auch Scherira Gaon — erzählt Menasse b. Israel — machte ein Traumverlangen und erhielt einen Bibelvers zur Antwort3). Als er dadurch nicht klüger wurde, wiederholte er sein Verlangen, worauf auch die Erklärung erfolgte4). Menasse b. L kennt mehrere Fälle, wo man zum Traumverlangen Zuflucht nahm5) und eine interessante Geschichte von einem Chasid erzählt auch Jehuda der Fromme6). Bei den Griechen gab es Traumorakel, welche gewöhnlich Genesung suchende Kranke aufzusuchen pflegten. Der Kranke ging in den Tempel des Apollo oder des Aeskulap, dort wurde er verschiedenen Zeremonien unterworfen, gebadet, gerieben, geräuchert und so in Exaltation versetzt, legte man ihn im Tempel i) Mag. Aboth 72b. 2) Bab. Mezia 107b. 3) nps"» Spaa sptf Micha 212. 4) Die Anfangsbuchstaben des Verses hätten folgenden Sinn: pnra öib^p 02? önV» n^saans ^tfi bwao T^-na raira rvsbs ^r,ö "pnaira Auf welches historische Ereignis des X. Jahrhunderts hier gezielt wird, ist mir unbekannt. Ohne Zweifel ist von den letzten Karolingern die Rede. 5) Nischm. Chaj. 159. 6) Sef. Chass. 53.