Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 11 (1908)
- Issue
- 2 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 66 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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— 66 — Für das Traumverlangen (Dlbn nb»to) wird folgendes Vorgehen empfohlen1): Man faste einen Tag, dann nehme man ein rituelles Bad. Am Abende nach den Fasten esse man kein Fleisch, trinke keinen Wein, sondern nehme leichte Speisen und Obst, auch das nur mäßig. Dann wasche man die Hände, verrichte das Abendgebet, lege sich nieder und rezitiere folgende Verse: Ps. 16n zehnmal, Ps. 1017 fünfmal und Daniel 222 wieder zehnmal. Hernach sage man: Im Namen des Ewigen, des Gottes Israel, des Gottes der Heerschaaren, der Gute, lasse mich einen guten Traum sehen (dreimal). Gott, Herr Zebaoth, der Gerade, lasse mich einen geraden, rechten Traum sehen (dreimal). Gott, Herr Zebaoth, der Treue, L m. ei. tr. Tr. s. (dreimal). G. H. Z. der Gerechte, 1. m. ei. ger. Tr. s. (dreimal). Dann folgt ein längeres Gebet, wo um Bescheid auf die zu stellende Frage, oder um eine Arznei gebeten wird, aber in reiner, verständlicher Sprache aus der Thora, aus den Propheten, aus den Hagiographen, oder auch auf andere Weise. Dieses Gebet ist dreimal zu wiederholen. Dann soll der 23. Ps. rezitiert und jeder darin enthaltene Gottesnamen mit *+Hö ergänzt werden. Dem folgt der Vers aus Ezechiel 11 siebenmal von rechts nach links und siebenmal umgekehrt; Arnos 413,. Ps. 3816, I Sam. 23, Ps. 381Q, Gen. 2812 und Ps. 316 jeder dreimal. Zum Schlüsse folgt ein längeres Gebet, das auch dreimal zu wiederholen ist: Es sei dein Wille ewiger Gott und Gott meiner Väter, daß du befehlest den heiligen und reinen Engeln (Aßa, Baßa, Gaßa. Agaf, Sagaf, Nagaf), die über die Träume gegesetzt sind, daß sie mir auf meine Frage Bescheid geben, es sei so und so und ich es niemals vergesse. Ich bitte euch, ihr heiligen und reinen Engel, die ihr über die Träume gesetzt seid; Gabriel, Herr der Visionen, dessen Zahlenwert mit na-ia identisch ist (246), ferner Aßa, Baßa etc., deren Name genannt und deren nicht genannt ist, daß ihr diese Nacht zu mir kommet mit Euhe und ohne Zorn, ohne Schmerz, ohneBosheit undSchrecken,mit Sanftmutund ohne Erschütterung, offenbar, nicht geheim und ohne Eätsel, daß ihr mir im Traume meine Frage beantwortet, es sei so und so, damit ich es erfahre ohne jedweden Verzug und Aufschub, wie ihr dem Josef die Deutung auf den Traum des Mundschenkes, des Bäckers und des egyptischen Königs Pharao offenbartet; wie ihr Daniel den Traum Nebukadnezars und seine Deutung sagtet und dergleichen. Lasset mich nicht straucheln, erschrecken und beschädigen und meine Träume sollen mich nicht bestürzen; sie mögen mit glänzendem Antlitze, mit Sanftmut und nicht mit bestürztem Gesichte kommen und sollen mich nicht erschrecken. Saget mir in dieser Nacht reinen, wahren, zweifellosen Bescheid aus der Thora, aus den Propheten oder Hagiographen in heiliger Sprache, mit reinen Worten, damit ich mich deren erinnere und sie nicht vergesse. Wegen des wahren Gottes saget mir Wahrheit, wegen des treuen i) Midr. Taipijoth 214 ff.