Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 11 (1908)
- Issue
- 2 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 65 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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— 65 — legten und das, was ihnen im Traume vorkam, als höhere Weissagung betrachteten1). Ein anderes Mittel kennt Ibn Esra zu Deut. 18n. Man ging in den Friedhof, nahm einen Knochen eines Todten und so in Exaltation versetzt sah man verschiedene Gestalten im Traume, aber auch in wachem Zustande. Als Brauch der Amoriter wird verboten, das Hemd umzudrehen, oder auf einen Kehrbesen sich zu setzen, um Träume zu haben2). Auch wenn man den Stein fittbritf (Exod. 2819), der arabisch rrabn heißt, am Finger trägt, sieht man stets Träume3). Maimuni erzählt, die Sekte der Zabier hielt das Blut für unrein, jedoch genossen sie's, weil es für die Speise der Dämonen galt. Wer Blut aß, kam mit ihnen in nähere Verbindung, dem sie dann die Zukunft voraussagten. Wer kein Blut essen konnte, der nahm es in ein Gefäß oder in eine Grube auf, aß das Fleisch neben dem Blute und glaubte, die Dämonen werden das Blut verzehren und durch die gemeinsame Tafel werde sich zwischen ihnen eine intime Freundschaft entwickeln, demzufolge die Dämonen ihnen im Traume erscheinen und die Zukunft enthüllen werden4). Der Wahrsager von Theba, Teiresias trinkt auch erst Blut und dann prophezeit er dem Odysseus5). Man kannte auch Frauen, Stria (striga) oder Werwolf genannt, die nur von Blut lebten und wenn sie keines hatten, sterben mußten6). Im Mittelalter war eine Hexensalbe bekannt, womit die Hexe einen tiefen Schlaf mit vielen, zumeist erotischen Träumen bewirkte7). Wir kennen sogar eine Anweisung und Formel, mit deren Hilfe man Träume heraufbeschwören konnte: Sei rein und lauter und sauber gekleidet und in einem sauberen und reinen Zimmer und sprich auf deinem Lager: „Ich beschwöre dich Duma8), Fürst der Träume, im Namen des Allmächtigen Gottes, daß du in dieser Nacht zu' mir kommest und mir meine Frage, die ich stelle, beantwortest. Und wenn du mir mitteilen willst, was gut und was böse ist, so zeige mir, wenn es etwas Böses ist, im Traume Geistliche und Kirchen, Brunnen, Zisternen, Höhlen und Gräber, wenn es sich aber um Günstiges handelt, so zeige mir Lehrhäuser, offene Bücher und Gelehrte, die sich damit beschäftigen und laß mich nicht die Erscheinung vergessen." Hierauf schlafe ein, rede aber mit keinem Menschen darüber. Es läßt sich nur in der Nacht auf Sonntag machen und nur in dringenden Fällen. Treibe ja nicht Spott damit9). l) Weimann, Orient VII. 310. 2) t. Sabb. VI. 7. 3) Ibn Esra z. St. Nach LXX und Vulgata ist es der Amethyst. Gesenius WB. s. v. Die Hiphil-Form d^rra Jerem. 29 8 will Brecher a. a. 0. mit „träumen machen" übersetzen. 4) Mor. Neb. m. 46. 5) Odyss. XI. 96—100. 6) Sefer Cbasid. 355. 7) Lehmann. Aberglaube und Zauberei, ins ungarische übertragen von Ranschburg. I. 350. II. 280. 8) Duma (Ps. 11517), der Schweigende, der Engel, der über abgeschiedene Menschenseelen gesetzt ist; Genius der stillen Toten und auch der Träume. Sauh. 94a, Cbag. 4b, Beracb. 18b, Sabb. 152a. S. Krauss, Mitteilungen 1900, II. 80. Die Römer und Griechen setzen auch den Gott der Träume in den Tartaros. 9) Grunwald, Mitteil. 1900. I. 82.