Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 11 (1908)
- Issue
- 2 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2638044-2638087-2638089--0591-2640572- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 64 — Träumen beunruhigt zu werden1). Und wie die Schechinah nur dem frohen Genmte sich gesellt, so erfordert nach E. Nachman auch der gute Traum ein frohes Gemüt2). Unter den Amoräern gehörte es nicht zu den Seltenheiten, daß sie einen verstorbenen Lehrer im Traume zu sehen wünschten, was manchmal ohne Mühe gelang, manchmal aber große Anstrengung kostete. Es lohnte sich aber gewiß der Mühe, da sie immer etwas Lehrreiches boten. E. Acha, der E. Alexander im Traume zu sehen wünschte, lernte von ihm zwei wichtige Dinge. Zabdi b. Levi sehnte sich nach Josue b. Levi und dieser mußte sogar 300 Tage fasten, um seinen Lehrer E. Chija sehen zu können. Dasselbe erreichte E. Aßi schon nach 30 Fasttagen. Dieser verdiente übrigens den bedeutenden Vorzug, da seine Größe nichts besser dokumentiert, als ein Weber, der im Traume sah, daß der Himmel einzustürzen drohe und ein Mann das Verhängnis mit seiner Hand aufhielt. Dies war E. Aßi3). Nach einer anderen Meinung war es E. Joße, der seinen Meister E. Chija sehen wollte, was ihn 80 Fasttage kostete4). Im Eden in der Nußbaumhalle sitzt ein Schuloberhaupt Namens Eav Gadiel. Dieser erlitt zu 17 Jahren den Märtyrertod und seitdem lehrt er die Geheimnisse der Thora im Eden. E. Jochanan b. Zakkaj fastete 7 Tage, bis es ihm gelang, den jungen Gelehrten im Traume zu sehen, er sah aber zugleich alle Wunder der sieben Himmel5). Einen ungenannten gelehrten und frommen Mann plagte die Neugierde, wer sein Genosse im Jenseits sein werde. Nach langem Fasten und Beten träumte er, es werde ein Fleischhauer sein. Diese Gesellschaft paßte ihm nicht, weshalb er um neue Auskunft bat, aber wieder dasselbe träumte, jedoch zugleich beruhigt wurde, daß dieser Genosse seiner würdig sei6). Auch Easchi soll im Traume seinen Kollegen im Paradiese gesehen haben und sei sogar nach Barcellona gereist, um ihn aufzusuchen7). Ein bequemeres und wirksameres Mittel, Träume nach Wunsch zu haben, war der Besuch der Gräber. Man übernachtete auf einem Grabe und erfuhr dann im Traume Dinge, die man wissen wollte. So tat es ein Wirt, der E. Meir seines Geldes berauben wollte, wie es ihm auch bei seinen beiden Eeisegefährten gelang8). Diesen Gebrauch erwähnt auch Albo: Manche übernachten am Friedhofe, damit der unreine Geist der Toten über sie komme, um ihnen die Zukunft anzuzeigen. Zu diesem Zwecke begruben sie die Toten in ihren Bethäusern, welcher Gebrauch auch auf das Christentum überging9). Herodot berichtet, daß die Nasamonen, ein afrikanisches Eäubervolk, wenn sie wahrsagen wollten, sich zu den Gräbern ihrer Voreltern begaben, daselbst sich schlafen l) Berach 60b. Ps. 9130 bedeutet nach einer Ansicht, daß dich böse Träume nicht belästigen werden. Sank 103 a. 2) Peßach. 117 a. 3) Kohel. r. 9. 10. Baba Mezia 73a. J. Kilaj. 32b60. 5) Betb harn, in 137. 6) Das. V 137. Wellesz, Rasi 145. ») Joma 83b. S. Jesaj. 654. 9) Ikkar. m. 8.