Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 11 (1908)
- Issue
- 2 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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— 63 — Besch Lakisch disputierten, will K. Eleazar zu Gunsten des ersteren entscheiden, weil er ihn im Traume sah, wo er von ihm ohne Zweifel auch inspiriert wurde*). Der Hohepriester wird im Traume belehrt, des Opfer des Armen nicht zu verschmähen, auch wenn es der König befiehlt2). Die Störfrage, die am Ende des 18. Jahrhundert in Ungarn großen Staub aufwirbelte, wurde schon durch den Toßafisten Efraim b. Isak aus Kegensburg mit Hilfe eines Traumgesichtes entschieden3). Bei Moses aus Coucy, Verfasser des Sefer Micwoth Gadol, spielt der Traum eine wichtige Eolle, und wie er in der Einleitung zu seinem Werke erzählt, ist auch dieses infolge einer im Traume an ihn ergangenen Aufforderung entstanden. Selbst auf einzelne, in den Gegenstand seines Buches schlagende Dinge wurde er im Traume aufmerksam gemacht4). Ebenso erhielt Menasse b. Israel im Morgentraume den Impuls zur Verfassung eines Werkes5). Jakob ha-Leyi aus Marvege hat sogar in einer Eesponsensammlung alle durch Träume erlangten Entscheidungen zusammengefaßt6). E. Isak Or Sarua war einmal in Verlegenheit, ob Akiba am Ende mit a oder n zu schreiben sei. Da las er im Traume den Vers Ps. 97n, dessen Endebuchstaben 7) den Namen Akiba mit n geben, daher er sein großes Werk 2nt hvi8 nannte8). E. Amnon aus Mainz ist nach seinem Tode dem E. Kalonymos ben Mesullam im Traume erschienen und lehrte ihn sein Schwanenlied: qpm ronm9). Easchi soll sogar seinem Enkel Samuel im Traume die richtige Aussprache des Tetragrammaton verraten haben10). Hat sich nun der Traum einmal als wichtig erwiesen und konnte er auch zu verschiedenen Zwecken ausgebeutet werden, so durfte man nicht warten, bis er sich zufällig darbietet, sondern es mußten Mittel gesucht werden, ihn heraufzubeschwören, so er nicht willig kommen wollte. Schon E. Jehuda lehrt, daß der gute Traum zu jenen Dingen gehöre, um die man Gottes Gnade anrufen muß11). Wirklich bitten wir jeden Abend, nicht von bösen x) Menach. 84b, Beehor. 5a, 56a. 2) Lev. r. 3,5. Wellesz vergleicht die Stelle mit Evang. Mark. 1242—44. Luk. 211_4: Magy. Zsidö Szemle IV. 350. Andere durch Traum erlangte halachische Entscheidungen: B. Bathra 143a, Chullinl33a. Gewöhnlich las man einen Vers aus der heiligen Schrift, der die entsprechende Aufklärung gab, was mit dem Ausdrucke: fiTüprn rr-riptf Taan. 9b, 'm tmpto Sanh, 82a, yrnpfc das. und Taan. 24b, wo es kein Bibelvers ist. eingeleitet wird S. Bacher, Terminologie der jüdischen Trad. IE. 195. 3) Löw, Ges. Sehr. H. 263. Wellesz, BIOS 12 Note 34. 4) Smag 12a. 5) Einleitung zu Nischmath Chajim. 6) ö*i»£5ii n'Yü, Güdemann, Erziehungswesen I. 81. 7) hrrata hh ^"nr^l p^esü 2*7 -fisa, das erste Wort ist wegzulassen. 8) Seder hador. 218a. (Der Name Or zariia kommt für Isaak und seine Nachkommen als Familiennamen vor, und stammt daher, daß er aus Lichtensee bei Meißen war. Or zariia ist die Ubersetzung von Licht -fsäe. Daß R. Isaak aus Lichtensee war, vermute ich aus dem Umstände, daß er in seiner Kindheit in Meißen war. I. Löw.) 9) Das. io) Wellesz, Basi elete es muködese 145. n) Berach 55a und deutlicher Beth harn. II. 92.