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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1908-01-01 · 2 (1908) · p. Seite 62

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
11 (1908)
Issue
2 (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 62 (sequence 22)
Language
German
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— 62 — lachische Fragen zu entscheiden. R. Gamliel machte sich bittere Vorwürfe wegen einer Verordnung in bezug auf den Schulbesuch und wurde im Traume beruhigt, obzwar er Unrecht hatte1). R. Nachman b. Jizchak beleidigte den König Saul; was ihm erschreckende Träume verursachte, so daß er die Manen des Königs um Verzeihung bat und wieder ruhig schlafen konnte2). An einem Tage wurden ein sehr frommer und ein sehr vornehmer Mann zu Grabe getragen. Natürlich erwies man letzterem große Teilnahme, während der Fromme kaum beachtet wurde. Das verdroß einen seiner Freunde, bis ihm im Traume erklärt wurde, daß dem Frommen diese Strafe gebührte, weil er die Gebetriemen des Kopfes früher als die der Hand anlegte; der Reiche aber verdiente die Auszeichnung, weil er — wenn auch durch Zufall — arme Leute speiste. In der Tat sah er nächstens im Traume, daß sein Freund im Eden spaziert, während der Reiche sich in erbärmlichem Zustande befand3). Man pflegte sich übrigens zu verpflichten, nach dem Tode zu erscheinen und im Traume über das Jenseits Aufschluß zu geben4). Und wie die Lebenden sich von den Toten im Traume gewisse Wünsche erfüllen ließen, so geschah es auch umgekehrt. Die Toten legten ihre Bitten solange vor, bis man ihnen gerecht wurde. Es gibt eine ganze Menge in dieses Gebiet fallender Erzählungen und es genügt auf das Sefer Chassidim von Jehuda dem Frommen (1166—1224) zu verweisen, wo sich die interessantesten vorfinden5). Auch Ratschläge und Warnungen erteilen die Toten im Traume, wie es R. Josua ben Tanchuma erging, der eine Seereise unternehmen wollte. Da erschien ihm sein Vater im Traume mit den Worten : Mein Sohn wird des Grabes verlustig. Er gehorchte nicht und fand in den Wellen den Tod6). Ebenso danken die Hingeschiedenen im Traume für die ihnen erwiesene Freundschaft7). Wenn man in halachischen Fragen nicht übereinkommen konnte, entschied manchmal der Traum. Raba wünscht in einer schwierigen Frage die Entscheidung im Traume zu erfahren8). R. Aschi nannte einmal die drei Könige: Jerobeam, Ahab und Menasse, die des künftigen Lebens nicht teilhaftig werden, seine Freunde. Letzterer beleidigte sich darüber, erschien ihm im Traume und zeigte dem Redaktor des Talmud, daß er von ihm nicht Freund, sondern Lehrer genannt zu werden verdiene, da er ihn in einer scheinbar unbedeutenden Frage, wo man nämlich das Brot anzuschneiden habe, belehren müsse, was auch geschah9). R. Jannaj gab den Zehnten von einer Frucht, die er noch nicht hatte, weil er im Traume den Vers psn rßp (Jesaj. 42 2) las, obzwar dasselbe Wort in entgegengesetzter Bedeutung vorkommt10). In drei wichtigen halachischen Fragen, worüber R. Jochanan und i) Berach. 28a. 2) joma 22b. ») Beth ham. V. 131. 4) Sei Chass. 102. S. A. J. D. 179u. *) 101. 104. 375 etc. «) Gen. r, 65. T) Sabb. 125b, Mach. Vitry 113. 8) Menach. 67 a. 9) Sank 102 b. «>) II.Kön. 1821, Jesaj. 366. Jebam. 93b.

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