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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1908-01-01 · 2 (1908) · p. Seite 61

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
11 (1908)
Issue
2 (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 61 (sequence 21)
Language
German
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— 61 — über die Juden, daß sie in Träumen sehr abergläubisch wären, bemerkt aber: „Ob wir nun wohlauf außerordentliche Bekehrungsmittel, sonderlich auf Träume nicht zu bauen haben, so können wir doch auch Gott dem Herrn nicht vorschreiben, wann es seiner Güte gefallet, auch durch außerordentliche Wege und Träume jemanden zu sich zu ziehen" x). Etwas weiter: „Und wollte Gott, es hätte der diebische Jud Salamon Davids, sonst Eot-Kopff genannt, den merkwürdigen Traum sich auch so, wie diese bekehrte Juden, zu Nutz gemacht, so konnten wir für seine Seele etwas besseres hoffen". Dieser Eot-Kopff war nämlich zum Tode verurteilt und hatte in der Zelle einen sonderbaren Traum, welchen der Hofprediger „nicht ermangelte, zu seinemZwecke zu gebrauchen", aber vergebens, Eot-Kopff starb als Jude und als ihm beim Worte echad der Hals zugeschnürt wurde und das Wort ihm in der Kehle stecken blieb, entstand ein tobendes Gelächter, der Hofprediger aber machte Ernst, daß die Henkerssehnur ein eklatanter Beweis für die Trinität sei2). Nicht besser erging es anno 1714 dem Delinquenten Herz Low, weil auch er seinen Traum nicht verstehen wollte und sein Schicksal teilte zugleich Salomon Dick- Kopff3). Im Talmud werden die auf Grund eines Traumes zum Judentum übergegangenen Proselyten gere chalömöth genannt. Nach Baschi hat der bacal hachalöm sie zum Uebertritt bewogen4). Das große Ansehen aber, dessen sich der Traum von uralter Zeit her bis auf den heutigen Tag erfreut, wurde schon von großen Autoritäten des Altertums bestritten. Als ein Sohn das Geld seines verstorbenen Vaters suchte und darüber endlich im Traume Aufschluß bekam, wurde die Sache den Gelehrten vorgelegt, die einstimmig erklärten, der Traum habe gar keine Bedeutung5). E. Jona wollte sich mit dieser rundwegs verwerfenden Sentenz nicht zufrieden geben, daher E. Joße den Ausgleich machte: Wo der Traum Schmerz. Besorgnis verursacht, dort hat er auch seine Wichtigkeit6). E. Nathan und E. Meir konspirierten gegen den Nasi Simon ben Gamliel und wurden aus dem Lehrhause ausgeschlossen. Da träumten beide, sie müßten den in seiner Ehre gekränkten Nasi um Verzeihung bitten. Ersterer war hierzu geneigt, E. Meir hingegen wies den Eat mit Hinweis auf den erwähnten Ausspruch zurück, ohne zu distinguieren7). Als er die Anordnungen eines Epitropos in betreff des Vermögens der Waisen nicht gutheißen wollte, wurde ihm im Traume ein Vorwurf gemacht, was er aber mit Berufung auf seine Meinung wieder gleichgiltig aufnahm8). Dieselbe Meinung vertritt E. Abahu9) und E. Eleazar10). Trotzdem aber wurden Träume gerne gesehen, wenn es sich darum handelte Gemütserregungen zu beschwichtigen, oder hai) Das. IL 130. 2) Das. II. 131. ff. s) Das. H. 158. *) Jebam. 24b. 5) fWin xbn 'pisn *6 niTQlbn 6) J. Maas, scheni 55b44.?) Horaj. 13b. ») Güttin 52a. *>) Gen. r. 68. 12. io) Sann. 30a.

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