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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1908-01-01 · 2 (1908) · p. Seite 60

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
11 (1908)
Issue
2 (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 60 (sequence 20)
Language
German
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— 60 — aus der Mitte der Juden werde sein Keich zerstören, daher der Befehl erging, alle neugeborenen Knaben zu töten1). Später erzählt Moses seinem Schwiegervater einen merkwürdigen Traum, den Jethro auch dahin deutet, er werde einen mächtigen Thron umstürzen und Herrscher vieler Nationen sein; er werde Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wissen2). Auch der jüdisch alexandrinische Tragiker Ezekielos läßt Moses in einem Traume, den ihm Jethro deutet, seine künftige Größe voraussehen, ein Beweis, daß in Alexandrien Traumdeutungen beliebt waren3). Ein nicht minder wichtiges Ereignis ist die Errettung Israels zur Zeit des Mordechaj und der Ester, welche ersterer schon zur Kindeszeit seiner Pflegetochter im Traume gesehen hatte und als Israel Gefahr drohte, machte er Ester aufmerksam auf den Traum und seine Bedeutung, laut dessen sie zum Better Israels auserkoren ist4). Zum Sturze Hainaus hat ferner der Traum des Königs Ahasveros beigetragen; er sah, wie Haman mit gezücktem Schwerte neben ihm stand, um ihn zu töten5). Auch Juda, der Makkabäer begeistert seine Krieger mit der Erzählung eines Traumes. Er sah nämlich, daß der Hohepriester Onias für sein Volk bete. Da erschien ihm ein alter, ehrfurchtgebietender Mann, in dem er den Propheten Jeremija erkannte. Dieser reichte ihm die Hand und übergab ihm ein goldenes Schwert mit den Worten: Nimm Gottes Geschenk, damit wirst du den Feind besiegen6). Und einem Traume hatten es die Juden Palästinas zu verdanken, daß Alexander der Große sie für ihre den Persern erwiesene Anhänglichkeit nicht hart bestrafte. Der Hohepriester Jaddua oder sein Enkel Simon soll mit großem Gefolge dem makedonischen Welteroberer seine Huldigung entgegengebracht haben, welche der Sieger ehrerbietig mit der Bemerkung annahm, dieser Hohepriester habe ihm im Traume den Sieg über die Perser vorhergesagt7). Eine ähnliche Geschichte widerfuhr E. Jona und E. Joße, die dem römischen Feldherrn Ursicinus ihre Aufwartung machten. Als er sie erblickte, erwies er ihnen die größte Ehre, weil er sie vor seinem Siege im Traume gesehen hatte8). Der Exilarch Bostanaj (7. Jahrh.) hat sein Leben und seine Stellung einem Traume des Königs zu verdanken9). Der Übertritt des Chasarenkönigs zum Judentume wird auf einen Traum zurückgeführt10). Träume wurden auch als Bekehrungsmittel verwendet. Scheidt11) klagt zwar bitter Grünbauni a. a. 0. 155. 2) Beth harn. V. 159 ff. 3) Das. Jellinek, Einleitung II. Note 2, und XXI. 4) Das. V. 1. und Zusätze zum Buche Ester 9. wo Mordechaj zugleich die Deutung des Traumes angibt. 5) Das. L 15. Kohel. r. 5. 2. Ester r. 10. Jalkut Ester 1058. «) n. Makkab 15n_16. 7) Josephus, Antt. 11. 8. Grätz, Gesch. II. 220. Joma 69a ist auch von einer Zusammenkunft des Hohenpriesters Simon d. Gerechten mit Alexander d. G. die Eede, aber in anderem Zusammenhange und auch ein Traum wird da nicht erwähnt. 8) J. Berach. 9a36. 9) Grätz, Gesch. V. 113. «>) Kuzari I. 1. u) Jüdische Merkwürdigkeiten II. 281.

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