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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1908-01-01 · 2 (1908) · p. Seite 59

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
11 (1908)
Issue
2 (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 59 (sequence 19)
Language
German
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— 59 — sein ganzes Land träumt, weil alle seine Gedanken auf das Wohl seiner Untertanen gerichtet sind. Darum bedient sich die heilige Schrift bei Pharao (Gen. 4]t) des Partizipiums chölem, denn er umfaßt im Traume stets sein ganzes Land1). Ebenso erklärt der Sohar den Traum Pharao7s. Er habe eigentlich den wahren Traum nicht verdient, aber als König durfte er höhere Dinge sehen, steht er doch höher als seine Unterthanen, wo hingegen andere Leute ihr Geschick nur durch Propheten, Fromme und Weise erfahren können2). Daß Pharao dieser höheren Inspiration unwürdig war, beweist auch, daß er mit dem Epitheton ornans: „ein toter Hund" bezeichnet wird, der nur im Interesse Josefs einen so wichtigen Traum hatte3). Der Ptolemaer-König richtet an einen der Weisen die Frage, wie man die beunruhigenden Träume los werden könne, worauf er die Antwort erhält, er sei fromm in Wort und Tat, da sich die Seele im Traume damit befasse, was sie in wachem Zustande beschäftigt4). Der Traum jeder Art und jedes Menschen hat eine gewisse Bedeutung und verfolgt ein gewisses Ziel. Entweder deutet er auf die unvorhergesehene Zukunft hin, oder beabsichtigt er einen Frevler der Besserung zuzuführen, R. Simon lehrt: Der Traum trifft auch ohne Wissen des Träumers ein, denn alles, bevor es geschieht, wird zuvor im Himmel beschlossen und dann auf irgend einer Weise den Menschen bekannt gemacht. Entweder durch Propheten, durch Weise, durch Träume, oder auch durch die Vögel des Himmels, wie auch Arnos 37 behauptet5). Und in der Tat ist jedem großen Ereignisse ein Traum vorangegangen, der die Ankunft wichtiger Dinge voraussagte. Ohne von der heiligen Schrift zu sprechen, träumte Henoch, daß die Welt zu Grunde gehen werde6). Nach dem Koran (37101) träumte Abraham, daß er seinen Sohn werde opfern müssen, wußte aber nicht, ob sein Traum eine göttliche Inspiration sei, oder vom Satan herrühre7). 130 Jahre nach der Einwanderung Israels in Egypten und 60 Jahre nach dem Tode Josefs träumte Pharao, daß ein alter Mann mit einer Wage in der Hand vor ihm stehe. In der einen Schale war ganz Egypten, in der anderen ein Lamm, das die erste Schale überwog. Dieser Traum wurde dahin gedeutet, daß im Volke Israel die Geburt eines Sohnes bevorstehe, der ganz Egypten zerstören werde. Und als Moses zu drei Jahren während einer Mahlzeit die Krone vom Haupte des Königs herabnahm und sie sich aufsetzte, ermahnte Bileam den König an seinen Traum und dessen Wichtigkeit und forderte die Hinrichtung des Kindes8). Pharao soll auch geträumt haben, ein Feuer sei aus Jerusalem ausgegangen, das sich nach Egypten hinwälzte, alle Häuser verbrannte, nur die der Juden nicht. Das bedeutete, ein Mann i) Gen. r. 89. 4. 2) i. 194b. 3) Tanchuma Buber Mikez, Bacher, Pal. Amor. IL 191. 4) Aristeasbrief 213. 5) Sohar I. 183b. 6) Kautzsch, Apokryphen 83. 7) Grünbaum, Neue Beiträge zur sem. Sagenk. 112. 8) Beth harn. II. 3. 3*

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