Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 11 (1908)
- Issue
- 2 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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— 58 — wovon auch cheswä (Dan. 219) eine bildet, hingegen*) hat er zwischen Prophetie und Traum das bath kül, wo aber dennoch der Traum ein Sechzigstel der Prophetie bildet, doch so, daß er auf der sechsten Stufe nach unten steht2). Weil nun der allgemeine Traum schon in gewisser Verwandtschaft zur Prophetie steht, wurde ihm auch der Name „kleine Prophetie" gegeben. Natürlich muß auch dieser Traum einen Anhaltspunkt haben. So lehrt E. Jochanan3): Wem beim Aufstehen ein Bibelvers in den Sinn kommt, dem ist eine kleine Prophetie zuteil worden. Gewiß muß es ein auf den Traum sich beziehender Vers sein. Übrigens fordert Bachja b. Ascher4) gar keinen Vers, um einer kleinen Prophetie teilhaftig zu werden, denn diese ist selbst den Narren und Kindern gegeben worden. Wenn auch der Traum Gemeingut aller Menschen ist, so läßt sich dennoch aus dem Charakter des Traumes auf die sittliche Höhe des Träumers folgern. Ein schlechter Mensch wird schon derjenige genannt, der sieben Tage hindurch überhaupt nicht träumt, denn es heißt5): Wer sieben Tage schläft und nicht bedachtwird, ist schlecht. So wird der Vers schlechthin übersetzt und wesöweca in schewac emendiert6). E. Huna lehrt: Ein guter Mensch hat keinen guten, ein schlechter keinen schlechten Traum7). Das will nach Easchi sagen: Der schlechte Traum bezweckt, daß der Fromme vom guten Wege nicht abirre, während der Sünder im guten Traume alle Vergnügungen seines Diesseits genießt. Dieselbe Sentenz spricht auch E. Chisda aus und E. Jochanan beruft sich auf Kohel. 314: Gott tut dies, damit man ihn fürchte8). Und denselben Gedanken vertritt auch der Verfasser des Sohar, nur mit der Bemerkung, daß der Gottlose gute Träume sieht, um getäuscht und vom rechten Wege abgelenkt zu werden9). Es wird auch ein Mittel erwähnt, um von bösen Träumen nicht belästigt zu werden. Man soll sich in secessu schamhaft benehmen, um von Schlangen, Skorpionen und bösen Geistern, nach einigen auch von beunruhigenden Träumen verschont zu bleiben, wozu Easchi bemerkt, daß den betreffenden böse Geister im Schlafe nicht belästigen werden10). Ebenso wird der Traum in Krankheit als gutes Zeichen angesehen, was Jesaj. 3816 bezeugt: Du lassest mich träumen und genesen11). Während aber jeder Mensch für sich träumt, bildet der König eine Ausnahme, der für 1) Das. I. 238 a. 2) Eine kleine Inkonsequenz läßt sich der Sohar II. 247, 248, 251 zu Schulden kommen, wo niar'eh und chalöm in eine Reihe gestellt werden, über welcher die Prophetie steht, während zwischen mar'eh und machaseh darin ein Unterschied ist, daß ersteres hebräisch, letzteres aramäisch ist. Darum heißt es bei Abraham vor seiner Beschneidung und bei Bileam machaseh, damit die Engel nicht wissen, daß Gott mit Unbeschnittenen verkehre, denn bekanntlich verstehen die Engel nicht aramäisch. Das. I. 91a, 168 a. 3) Berach. 55b. *) Absehn. Mikez. &) Prov. 19o3. 6) Berach. 14a, 55 b.?) Das. 8) Das. 9) I. 200 a. *o) Berach. 62a. u) Das. 57 b.