Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 11 (1908)
- Issue
- 2 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 57 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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— 57 — sündigt, muß er wieder zurückfallen, daher heißt es (119): Gott, der ihm zweimal erschienen ist, d. h. einmal durch Weisheit, dann wieder bloß durch den Traum1). Der Unterschied ist aber auch durch die verschiedenen Ausdrücke, welche für prophetische Visionen gebraucht werden, streng präzisiert. Wir kennen für Prophetie zehn Ausdrücke2), hier spielen aber bloß zwei eine wichtige Eolle. Nach Maimuni3) ist kein Unterschied zwischen mar'eh, mach^seh, chäsön und chälöm; alle bedeuten Prophetie, nur chalöm halajlä bildet eine Ausnahme4). Wenn die Wirksamkeit der Sinne aufhört und der göttliche Ausfluß auf die Geisteskraft emaniert, diese wieder auf die Einbildungskraft, so daß sie sich vervollkommnet und ihre Tätigkeit vollbringt, entsteht die prophetische Vision. Zwischen chalöm und mar'eh ist bloß ein Unterschied, wenn der Prophet im Traume mit Gott zu sprechen glaubt. Die heilige Schrift sagt (Num. 126) ausdrücklich, daß Gott mit dem Propheten nur im Traume spreche, zu erkennen gibt Er sich ihm aber in einer Erscheinung. Hat der Prophet doch reden gehört, so war es bloß ein Traum und keine Vision, oder anfangs Vision, die in einen Traum übergeht, wie bei Abraham: es überfiel ihn ein Schlaf5). Nach Albo6) ist mar'ehoder macha seh jener Zustand, wo Verstandes- und Einbildungskraft sich einander gleich sind, d. h. man hat Visionen, die im Wesentlichen unwahr sind. Hat aber die Verstandeskraft die Oberhand erlangt, so steht man auf der höchsten Stufe der Prophetie, die nur absolute Wahrheiten enthält, wie die Visionen Ezechiels es sind und die, welche durch Vermittlung eines Engels geschehen7). Es müssen noch einige Stellen aus dem Sohar erwähnt werden, wo der Traum auf die sechste Stufe hinter der Prophetie gesetzt wird, zwischen beiden ist mar'eh, welche durch ein in der Nacht herrschendes lebendes Wesen (chajä) entsteht, während der Traum — wie bereits erwähnt — Gabriel zum Genius hat. Und wenn diesem (Dan. 816) der Befehl erteilt wird, Daniel die Erscheinung (mar'eh) zu erklären, so will das bloß sagen, daß mar'eh rätselhafter, komplizierter sei, als der Traum, daher es Aufgabe Gabriels ist, im Traume die Erscheinung zu erörtern8). An anderer Stelle9) wird mar'eh als ein Gesicht dargestellt, wo alle Gestalten gesehen werden, dies ist das matte Fenster, die Stufe, die allen Propheten eigen ist10). Endlich11) zerfällt mar'eh in sechs Teile oder Stolen, l) Sohar I. 149a, b. 2) Gen. r. 44, 6 und Parallelst eilen. 3) Mor. Neb. II. 43. 4) Das. 41. ' Das. 45. Nachmani zu Gen. 46o. 6) A. a. 0. 7) Zu Gen. 15x übersetzt auch das Targum rrrrran mit ti&üz und J. Ezra z. St. hät'üSSri m^'-ra, wie Maim. die prophetischen Visionen nennt, das. 41. Bacher a. a. 0. 8) i. 149 b. 9) I. 183 a. 10) Jebam. 49 b : alle Propheten schauten durch das matte Fenster, nur Moses durch das durchsichtige. Franck, Die Kabbala 179, Sohar II. 208 b. Über aoSipSDa s. Low bei Krauß, Lehnwörter s. v. i*) Sohar I. 196 a. Mitteilungen zur jüd. Volkskunde. Heft XXYI. Jahrg. 1908. Heft 2. 3