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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1908-01-01 · 2 (1908) · p. Seite 56

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
11 (1908)
Issue
2 (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 56 (sequence 16)
Language
German
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— 56 — Der Traum in der jüdischen Literatur. Von Dr. Adolf Löwinger. (Schluß.) Dieser Traum kann daher mit dem Propheten nicht in eine Reihe gestellt werden, yon dem gesagt wird: Im Traume rede ich mit ihm1), denn der Prophet, wenn er auch im Traume eine Offenbarung hat, nennt sie nicht einen Traum, sondern Prophetie, wie z. B. Jakob beim Erwachen ausruft: Gott ist an diesem Orte2) und nicht, daß es ein Traum sei. Auch Daniel, obwohl er einen Engel sah, nennt seine Visionen doch Träume3). In all diesen Fällen also haben wir es bloß mit wahren Träumen, aber nicht mit Prophetie zu tun und in diese Kategorie gehören all diejenigen, die vermittels des heiligen Geistes sprechen4). Bei der dritten Rangstufe beginnt die eigentliche Prophetie, welche im Traume und in wachem Zustande dem Propheten zukommen kann5). Isak Arama stimmt mit Maimuni nicht ganz überein6). Auf Grund von Hiob 3314_16 unterscheidet er drei Stufen: 1. Prophetische Visionen, wo „im Traume im nächtlichen Gesicht" mit „in einer Erscheinung gebe ich mich ihm zu erkennen" (Num. 126) identisch ist. 2. Der heilige Geist, wie Daniel 109 „ich schlummerte". Hierher gehören auch Abraham und Ezechiel, ersterer vor seiner Beschneidung. In die dritte Klasse gehören alle Menschen, denn dieser Traum ist nichts anderes, als die Wirksamkeit der Seele während des Schlafes, daher teils wahr, teils unwahr. Auch der Verfasser des Sohar kennt einen wesentlichen Unterschied zwischen Traum und Prophetie, stimmt aber wieder mit Maimuni in bezug auf Jakob nicht überein. Prophetie gehört in die aktive Welt (almä dedukhrä), Traum in die passive (almä denukbä). Von einer zur anderen gibt es sechs Stufen, Prophetie ist rechts und links, Traum nur links. Der Traum verbreitet sich in die ganze Welt, die Prophetie bleibt nur an ihrem Orte. Daher sind die Visionen Ezechiels als Prophetie anzusehen, während Jakob nur träumte, weil er noch unverheiratet war und auch sein Vater noch lebte. In der Tat heißt es später (Gen. 462) bemar'öth, da hat er schon die Stufe der Prophetie erlangt. Ebenso verhält es sich mit Salomo (I. Kön. 35). Erst träumt er, weil er noch nicht auf der Stufe der Vollkommenheit steht. Später (526) bedarf er schon nicht des Traumes, weil ihm Gott Weisheit gibt. Sowie er aber i) Num. 126. 2) Gen. 2816. 3) 219; 71_2; 715; 827. 4) Von diesem heiligen Geiste spricht auch Mohammed, manchmal von einem Engel, den er rasül-Gesandten nennt und der mit dem rüch kuds oder einfach rüch identisch ist (Sure 7838. 974). Dieser mach ist gewöhnlich der Engel Gabriel, wie auch im Talmud (Sanh. 44h) für Gabriel der Ausdruck r^pöö ffi^ gebraucht wird. S. Geiger, Yfas hat Moham. etc. 82. 5) Mor. Neb. II. 45, Bacher, die Bibelexegese Maim. 70 (zitiert nach der ungarischen Übersetzung). 6) Akeda Mikez.

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