Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 11 (1908)
- Issue
- 2 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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— 49 — springt eine von diesen heraus, so hat sie gewonnen. Wenn nicht, dann wirft die andere ebenfalls zwei Nüsse dazu und gewinnt, wenn dabei eine heransspringt, wenn mehr, dann hat sie verloren. Ein anderes Spiel: Eine nimmt 8 Nüsse, 4 eigene und 4 der Mitspielerin, in die Hand, wirft eine auf ein auf dem Boden liegendes Tuch und eine daneben auf den Boden. Dann wirft sie die übrigen zu Boden, und wenn sich auf dem Tuche und auf dem bloßen Boden je 4 befinden, hat sie gewonnen. Ebenso, wenn außer der ersten Nuß keine mehr auf das Tuch gefallen ist. Einige andere Varianten: Jede wirft 5 Nüsse in eine Mütze, die, der es gelingt, die Mütze zweimal so auf den Tisch fallen zu lassen, daß jedesmal 5 herausspringen, hat gewonnen. Oder es wirft jede 4 Nüsse hinein; diejenige, der es gelingt, 4 herausspringen zu lassen, hat gewonnen; fallen mehr oder weniger heraus, so hat sie verloren. Mädchen spielen auch Eins-Zivei, indem jede 4 oder 8 Nüsse in ein Grübchen wirft, worauf eine mit einer Nuß nach diesen wirft. Gelingt es ihr mit dieser zuerst eine, dann zwei Nüsse aus dem Grübchen herauszuschleudern, so hat sie gewonnen. Das Spielgerät der Kinder ist nach den Festtagen verschieden. Für den Halbfeiertag Lag-b'Omer verfertigen die Knaben Bogen, Schwerter und Schießgewehre. Die Bogen werden aus spanischem Rohr gemacht, die Schwerter aus Holz geschnitzt; als Schießgewehr dient eine Zwirnspule, in deren Höhlung ein Hölzchen mit einem kugeligen Ende gesteckt wird, worüber ein Streifen Gummi elasticum gespannt wird, den man mit Bindfaden an der Spule befestigt. Als Geschosse dienen Erbsen. Mit derartigen Waffen kämpft man an diesem Tage am Fuße eines Hügels, der den Berg Sinai vorstellt. Mit Hüten aus buntem Papier auf dem Kopfe wird exerziert, geschossen und gefochten.128) Am Simchas Torah tragen die Knaben Fähnchen. Ein solches trägt auf der einen Seite die Inschriften: TüDa TftXVa bjft (Standarte des Lagers Ascher) und rnimro (Krone der Torah), auf der anderen: min nnETön nttlD Drnns (Abraham freute sich am Simchas Torah) mm nntttön marc pfi^ (Isak freute sich am Simchas Torah) mm nroatoa ib^l TttTTD (Freuet euch am Simchas Torah) nun nnEEa ttuwi b^M (Lasset uns froh sein am Simchas Torah). _ Auf die Stangen der Fähnchen werden Apfel und in diese Wachskerzchen gesteckt. Diese werden angezündet, wenn die Knaben bei dem Umzüge mit den Torahrollen in der Synagoge hinter den Erwachsenen einherschreiten. Am Chanukafest wird mit dem Drejdl gespielt, einem aus Blei gegossenen hohlen Drehwürfel, dessen vier Seitenflächen die Anfangsbuchstaben der Worte: ötD ,mn ,bfft ,05 (damals geschah ein großes Wunder) tragen. Diese Buchstaben werden scherzhaft gedeutet: Nüti (Nathan) Ganiw (Dieb) hakt (erbricht) Schiesser. Der Würfel wird vermittelst der durchgehenden Spindel Mitteilungen zur jüd. Volkskunde. Heft XXVI. Jahrg. 1908* Heft 2. 2