Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1908-01-01 · 2 (1908) · p. Seite 46

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
11 (1908)
Issue
2 (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 46 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2638044-2638087-2638089--0573-2640554
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 46 — Mit einer Schnur wird EÜ-BeÜ gespielt, darin bestehend, daß ein Kind aus der über die Finger des andern gespannten Schnur verschiedene Figuren bildet, so ein Bett, einen Lekach (Kuchen) oder Mond, dann Wasser, eine Wiege, wieder einen Lefaich, einen Spiegel, zuletzt eine Säge. Man bildet auch aus einer Schnur die Figur eines Besens.123) Andere Unterhaltungen beruhen auf einer Täuschung des Zuschauers, indem z. B. ein Knabe die Finger der linken Hand nach allen Eichtungen mit einer Schnur umwickelt, dann unvermerkt den Daumen frei macht und am Ende der Schnur zieht, worauf sie sich ohne den geringsten Widerstand abwickelt Oder es wird die Schnur auf den kleinen Finger gelegt, dieser zusammen mit dem nächsten Finger mehrmals umwickelt, dann die Schnur geschickt abgewickelt, worauf sie sich auf dem letzteren befindet. Anders ist das Hak-Schloß: der Knabe legt die Schnur um den Hals, nimmt sie in den Mund, windet sie scheinbar nach verschiedenen Eichtungen herum, und wenn man ihn schon fest eingeschnürt glaubt, klatscht er in die Hände und öffnet das „Schloß". Schnüre dienen noch zu vielen anderen Belustigungen, doch haben alle denselben Charakter. Erwähnenswert ist nur noch das Kunststück, eine an beiden Enden mit runden Lederstückchen versehene und durch einen Lederstreifen mit zwei parallelen Einschnitten gesteckte Schnur herauszuziehen.124) Am Sabbat, sowohl im Sommer als im Winter, spielt man mit Obstkernen, und zwar „Grad und Ungrad"125) oder auf folgende Weise: In eine auf den Tisch gesetzte Untertasse (häufiger wird jedoch eine Mütze dazu verwendet) wirft jeder der zwei oder mehr Spieler zwei Kerne. Spielen zwei, so nimmt einer die hineingeworfenen vier Kerne heraus und wirft sie auf die Tasse. Fällt einer auf den Tisch, so hat er gewonnen, wenn aber mehr, dann wirft der zweite Spieler zwei neue Kerne auf die in der Tasse liegenden. Das Spiel dauert so lange, bis ein Kern auf den Tisch springt. Ähnlich spielen die Mädchen. Statt der Kerne verwenden sie häufiger Erbsen und spielen auch auf folgende Art: In eine Schachtel (gewöhnlich eine Schuhwichsschachtel) wirft jede Spielerin vier Erbsen, dann hebt der Eeihe nach jede die Schachtel in die Höhe und läßt sie fallen. Diejenige, der es gelingt, dabei eine ungerade Anzahl von Erbsen auf den Tisch oder Boden, auf den die Schachtel fällt, herausspringen zu lassen, gewinnt und streicht alle Erbsen ein, wenn nicht, so hat sie verloren. Es kann auch verabredet werden, daß bis zehn gespielt wird, dann spielt die, die den ungeraden Wurf getan hat, weiter. Machen die beim zweiten Wurf herausgefallenen Erbsen mit denen des ersten zusammen zehn aus, dann gewinnt, wenn weniger, verliert sie. Im Sommer veranstalten die Knaben Fangspiele, lassen Drachen steigen, oder spielen mit Bällen, die meist aus Lumpen verfertigt werden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.