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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1908-01-01 · 1 (1908) · p. Seite 39

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
11 (1908)
Issue
1 (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 39 (sequence 41)
Language
German
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zum Ausgangspunkt hat. Nicht alle Motive werden gleich gründlich behandelt, was vielleicht darin seinen Grund hat, dass das folkloristische Material doch auch Lücken aufweist. Wo es angeht, werden Fragen der jüdischen Volkskunde gestreift. Der Berner Chindlifresser ist ein^ Naturgeist und hat nichts mit dem Kindermord durch Juden zu tun, wie etwa auch angenommen worden ist. (S. 24.) Der alttestamentlichen Sage, der zufolge Rebekka zum Lohne für die Freundlichkeit, mit der sie den alten Elieser und dessen Kamele am Brunnen tränkt, einen reichen Bräutigam bekommt, lag vielleicht das Motiv der Belohnung der Bescheidenheit zugrunde, der in vielen Märchen wiederkehrt. (S. 37.) Das Chad Gadja ist eine Umdichtung, nicht eine Quelle ähnlicher Kindergeschichten. (S. 53.) Scharfsinnig ist der Vergleich des Häufungsmärchens mit dem Ornament. (S. 50.) Erschöpfend wird die Figur des Schneiders in der Märchenwelt behandelt. Die Ausstattung in bezug auf Papier und Druck ist vortrefflich, dabei der Preis mässig. Dr. S. Weissenberg. Die jüdischen Gemeinden und Vereine in Deutschland. Veröffentlichungen des Bureaus für Statistik der Juden, Heft 8. Berim- Halensee, 1906. 85 S. 8°. M. 2.—. Das rührige Bureau für Statistik der Juden hat mit diesem Hefte eine verdienstvolle Arbeit geliefert, die das jüdische Gemeindeleben in Deutschland beleuchtet. Die Notwendigkeit einer solchen Untersuchung wird im Vorworte durch folgende Bemerkung, deren Richtigkeit kaum jemand beanstanden wird, begründet: „Angesichts der vielfach hervorgehobenen Gefahren, denen der Bestand des Judentums als religiöse Gemeinschaft in den westlichen Ländern ausgesetzt ist, dürfte die genaue Beschreibung der Einrichtungen der Gemeinde, als jener Institution, die während der ganzen Zeit der Diaspora die äussere Form und noch jetzt die Grundlage für das gemeinsame jüdische Leben bildet, heute von besonderem Wert sein." Nun zeugen die leblosen Zahlen der vielen Tabellen von einem noch kräftig pulsierenden jüdischen Leben. Es sind zwar seit 1867 etwa 200 Synagogen eingegangen, was hauptsächlich darauf zurückzuführen ist, dass seitdem viele kleine Gemeinden durch Abzug in grössere Städte verödet worden sind. Die Bereitwilligkeit, mit der der Jude seine sozialen Einrichtungen unterstützt, ist aber dieselbe geblieben, was daraus erhellt, dass die jährlichen Ausgaben deutscher Juden für Kultus, Wohltätigkeit und andere soziale jüdische Zwecke ungefähr 30 Mark pro Kopf der jüdischen Bevölkerung ausmachen. Was speziell die Kultussteuern anbelangt, so sind die von den Juden aufgebrachten verhältnissmässig ganz bedeutend höher, in einigen Provinzen um das 50- bis 60fache, als die in den evangelischen Kirchengemeinden erhobenen. 55 pCt. aller jüdischen Gemeinden unterhalten eine Mikwa. Dr. S. Weissenberg. Dr. Rudolf Wassermann, Beruf, Konfession und Verbrechen. Eine Studie über die Kriminalität der Juden in Vergangenheit und Gegenwart. München, Ernst Eeinhardt, 1907. 106 S. Gr. 8*. M. 5.—. Der Verfasser räumt hier auf Grund eines umfangreichen, hauptsächlich Deutschland und Österreich berührenden Materials, dass er fleissig und teilweise nach neuen Prinzipien verarbeitet hat, mit dem Vorurteil auf, wonach die eigentümliche Kriminalität der Juden ein unvermeidlicher Ausfluss ihrer Rasseneigenschaften ist. Er beweist, dass die Kriminalität der Juden von Land zu Land verschieden ist und dass diese hauptsächlich von der sozialen Struktur und der wirtschaftlichen Lage der Juden abhängt. Der Schlusssatz der Arbeit, den jeder unbefangene Beobachter unterschreiben wird, lautet: „Die Kriminalität der Juden eines Landes ist nichts Festes, sie ist nicht bedingt durch die Rasse und wurzelt nicht im Wesen einer jeweils mehr oder minder ausgeprägten jüdischen Eigenart. Sie ist vielmehr das Produkt sozialer

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