Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 11 (1908)
- Issue
- 1 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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und Adverbien, ja sogar für Vornamen, ferner solche für dem Gedankenkreise des Durchschnittsgauners ganz fremde abstrakte Begriffe, endlich die unaussprechlichen Wortungetüme, die dem Zwecke rascher und unauffälliger Verständigung geradezu zuwiderlaufen, so bleibt nur die Erklärung übrig, dass K. von einem oder mehreren abgefeimten, besonders intelligenten und gebildeten Gaunern zum besten gehalten worden ist, die seinen Sammeleifer mit selbsterfundenen Wörtern befriedigt haben. Auf noch viele andere interessante Einzelheiten des Werkchens einzugehen, müssen wir uns leider mit Rücksicht auf den knappen Raum versagen. Es sei deshalb nur noch darauf hingewiesen, dass der Verfasser seither einen der geplanten Exkurse: die Geographie in der deutschen Gauner- und Kundensprache in der Beilage zur Münchener Allg. Zeitung vom 7., 8., 15., 16., 23. und 24. November und 29. Dezember 1905 veröffentlicht hat. A. Landau. B. D. Eerdmans. Das Mazzoth-Fest. Orientalische Studien, Theodor Nöldeke zum siebzigsten Geburtstage gewidmet. Giessen 1906. S. 671—679. Eerdmans behauptet: 1. Das Mazzoth-Fest ist, was seinen Ursprung anbetrifft, vollkommen unabhängig von Pesach. 2. Die bis jetzt gegebenen Erklärungen sind ungenügend. 3. Das Fest ist zu verstehen aus den primitiven animistischen Vorstellungen über Wachstum und Ernte. Die erste These wird damit begründet, dass das Mazzoth-Fest in der Bibel an mehreren Stellen unabhängig vom Pesach-Fest^ erwähnt wird. Der Ursprung beider Feste ist ein verschiedener und die Untersuchung über das eine braucht sich nicht mit dem andern zu beschäftigen- Die bisher gegebenen Erklärungen des Mazzoth-Festes als Frühlingsfest (Holzinger) oder als Fest der Gerstenernte (Wellhausen u. a.) scheitern daran, dass sie die Vorschriften der Bibel, nach denen im ganzen Gebiete nichts Gesäuertes vorgefunden werden darf und jedermann, auch der Fremdling, in diesem Gebiete nur Ungesäuertes gemessen soll, nicht genügend berücksichtigen. Dasselbe lässt sich auch von der traditionellen Deutung sagen, die einerseits das Verbot der Anteilnahme des Fremdlings am Pesachopfer und andererseits dessen Verpflichtung, Ungesäuertes zu essen, unbeachtet lässt, ganz abgesehen davon, dass der Fremde mit dem Auszuge aus Ägypten nichts zu tun hat. Eerdmans glaubt, das Mazzoth-Fest aus animistischen Anschauungen erklären zu können und zieht dazu hauptsächlich die Sitten und Gebräuche bei der Reiskultur heran. Wie hier ängstlich darauf geachtet wird, dass der Reisseele kein Schaden zugefügt werde, so haben auch dort die biblischen Vorschriften in betreff des Ungesäuerten den ähnlichen Zweck. Die Gärung ist eine Art von Verderben. Die Getreideseele kann also durch Berührung mit dem Gegorenen erschreckt werden und fortgehen. Auch darf niemand während der Ernte Gesäuertes gemessen, denn die Fremden können dadurch die Ernte ebenso gefährden als die Israeliten. Noch mehrere Gebräuche im AT. sollen einen animistischen Hintergrund haben und der Verfasser verspricht, auf diese später einzugehen. Dr. S. Weissenberg. Prof. Dr. S. Singer, Schweizer Märchen. Anfang eines Kommentars zu der veröffentlichten Schweizer Märchenliteratur. Bern, A. Francke, 1903. 78 S. 8°. M. 1.20. Erste Fortsetzung. 1906. . 167 S. M. 4.— Zugleich Heft 3 und 10 der Untersuchungen zur neueren Spraeh- und Literatur-Geschichte. Seit einiger Zeit werden Stimmen laut, die die ihrer Meinung nach schon übermässige Anhäufung des folkloristischen Materials missbilligen und zur Bearbeitung und Systematisierung des schon vorhandenen auffordern. In diesem Sinne ist die vorliegende Arbeit freundlichst zu begrüssen. Wir haben hier ein gediegenes Werk vor uns, das die gesamte folkloristische Literatur fleissig benutzt und die Schweizer Märchen nur