Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 11 (1908)
- Issue
- 1 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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— 32 — der Dämon ohne Anlaß keinen Einfluß auf den Traum ausübt1). Auch die griechischen Philosophen unterscheiden mehrere Klassen der Träume. Der berühmte Traumdeuter Artemidoros von Daldis (2. Jahrh. n. Chr.) hat 2, Aristoteles 3, Synesius sogar 5 Gattungen, welche mit Eücksicht auf ihre Ursachen auch verschiedener Bedeutung sind2). Wir können also wahre und unwahre, oder nach Weimann3), echte und unechte Träume unterscheiden, nur läßt es sich unmöglich feststellen, welcher wahr und welcher unwahr sei. Die heilige Schrift spricht an mehreren Stellen von unwahren Träumen, diese aber wurden entweder niemals geträumt, waren daher erlogen, oder wurden von Unwürdigen als prophetische Träume angesehen und gedeutet4). Wo aber wirklich geträumt wird, dort bewährt es sich auch. Man kann daher erst aus dem Erfolge wissen, welches Gewicht man dem Traume beilegen dürfe und um nicht lange in Ungewißheit zu leben, hat E. Levi5) einen Termin von 22 Jahren bestimmt, denn auch Josef mußte solange auf die Erfüllung seiner Träume warten. Yon wahren Träumen6) sprechen ebenso die Eeligionsphilosophen des Mittelalters, wie von unwahren Träumen viel im Talmud und Midrasch gesprochen wird. Wenn der geistige Ausfluß — sagt Maimuni7) — bloß auf die Verstandeskraft emaniert, so bildet er die Klasse der Weisen. Ergießt er sich auf die Verstandes- und Einbildungskraft zugleich, so bildet dies die Klasse der Propheten und ergießt er sich endlich nur auf die Einbildungskraft, so bildet er die Klasse der Staatsmänner, der Zauberer, der Wahrsager und derjenigen, die sich bewährende Träume haben8). Auch Levi b. Gerson sagt9), daß die wahren Träume, von denen sich nämlich später herausstellt, daß sie wahr seien, kein Zufall sein können, da sie zuvor notwendigerweise begrenzt und geordnet werden, sonst könnten sie bloß durch Zufall erkannt werden. Diese Ordnung verursacht die wirkende Intelligenz und dieser verdanken wir auch die Kenntnis der Träume. Die Intelligenz wirkt aber unmittelbar nur in der Prophetie, im Traume hingegen durch einen Vermittler und das sind die Himmelskörper (hagerämimhaschamajmijjim). Ähnlich sagt Albo10): Wenn die menschliche Vernunft sich über den alltäglichen, allen Menschen gegebenen Verstand erhebt, so erreicht er die Stufe des heiligen Geistes; über dieser Stufe steht der wahre Traum. Weil aber auch dieser zum Teil Unwahrheiten enthält, ist er von der Prophetie noch weit entfernt, deren Grad man nur *) Nisehmath Chajim JH. 5. 2) Brecher, Das Transeendentale 113. Die Stelle im Talmud: Joma 83b KUßfcft Ifta trfb KtÜÜQÜ ^27 tfttbft dürfte sich auch auf die Speisen beziehen. s) Orient VII. 183. *) So. z. B. Deut. 132_6; Jerem. 2325_28, 279, 298;. Zechar. 102. 3) Berach. 55b. 6) mpnwrmmbn oder nnp"n£ manchmal: BVififctf 7) Mor. Neb. IL 37, 8) ^p^^- 9) Milcharnöth IL p. 92. 1 io) Ikkarim, HL 9.