Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 11 (1908)
- Issue
- 1 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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— 31 — Glaube, daß Morgenträume in Erfüllung geben und solche, die in der ersten Nacht in einer neuen Wohnung geträumt werden1). Bachja b. Ascher erwähnt in seinem Pentateuchkommentar2) drei Ursachen der Träume: Speisen, Gedanken und Seelenstärke. Die Speisen treiben Dünste ins Gehirn und dadurch entstandene Träume sind leere, unnütze Dinge. Die Gedanken, welche den Menschen bei Tage stets beschäftigen, sieht er auch in der Nacht. Dies geschieht auch Nebukadnezar: „Deine Gedanken stiegen dir auf deinem Lager auf", sagt zu ihm Daniel (229). So lehrt E. Jochanan3), man lasse den Menschen nur die Gedanken seines Herzens sehen und so übersetzt auch das Targum die erste Hälfte des zweiten Verses zu Kohel. 5: Wie der Traum aus den Gedanken des Herzens kommt. Zum Beweis — sagt Eaba — sieht man im Traume keinen goldenen Baum und auch kein durch ein Nadelöhr gehendes Kameel. W7ahr ist derjenige Traum, der die Seelenstärke zur Ursache hat: wenn die Einbildungskraft (ko^ch harne dämme) die im wachen Zustande wohl aufgefaßten Dinge im Schlafe, wo alle sinnlichen Kräfte ruhen, derart erscheinen läßt, als sähe er sie in Wirklichkeit. Auch Menachem b. Zerach läßt den Traum durch den Prozeß, welchen die Verdauung der Speisen durchmacht, entstehen, bemerkt aber, daß die wahren Träume erst nach Vollendung dieses Prozesses sich zeigen4). Und wenn Abraham Ibn Ezra zu Kohel. 52 sagt: Wenn der Traum viele Dinge durcheinander mengt, entsteht er aus der Mischung verschiedener Speisen und durch Überwiegen eines der vier Grundprinzipien5) und ist ganz bedeutungslos, so will auch er die Bedeutung mancher Träume nicht ganz in Abrede stellen. Der Einfluß der Speisen auf die Träume war auch den alten Griechen nicht fremd. Die Pythagoräer aßen zum Abendmale keine Bohnen, weil davon unangenehme Träume entstehen6). Menasse b. Israel kennt auch drei Klassen der Träume: 1. Natürliche, die entweder durch das Temperament (meseg), oder durch die Tagesbeschäftigung, oder aber durch den vollen Magen enstehen. All diese sind lügenhafte Träume. 2. Von der Vorsehung eingegebene, welche als wahr zu betrachten sind. Er führt mehrere Beweise dafür an, daß die Vorsehung im Traume das künftige Geschick ankündigt und erzählt Tatsachen teils aus Büchern, teils aus eigener Erfahrung. Er selbst sah im Traume den Tod seiner Mutter und den seines Sohnes voraus. 3. Prophetische Träume, wie die Jakobs, Salomos und Daniels. Diese Stufe muß der Träumer selbst in sich verspüren. Er kennt auch von Dämonen kommende Träume, die aber gehören in eine andere Klasse, weil i) Am Ur-QueU VI. 39. 2) Abschn. Mikez. 3j Berach. das. 4) Zeda la Derech ed. Sabionet. 46b. 5) EplEnt) Wil&tt )%}!nn& *QJHnfJ worunter die bei Saadja erwähnten Wärme, Kälte, Trockenheit und .Feuchtigkeit zu verstehen sind. Zu unterscheiden sind andere vier Grundprinzipien, die unter demselben Ausdrucke, aber in anderem Sinne in der Religionsphilosophie vorkommen. Ikkarim II. 7., IV. 4. 6) Cicero, De divin. II. 58c. Sefcr Chasid. 116.