Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1908-01-01 · 1 (1908) · p. Seite 30

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
11 (1908)
Issue
1 (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 30 (sequence 32)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2638044-2638087-2638088--0556-2640536
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

— 30 — Wohnung im westlichen Ocean1), in der Nähe des Sonnenunterganges und des Todtenreiches, wo die Nacht mit ihren beiden Söhnen wohnt. Diese Wohnung hat zwei Pforten: eine von Elfenbein, durch welche die täuschenden und schmeichlerischen, die andere von gemeinem Horn, durch welche die ehrlichen aus- und eingehen2)., Samuel Edels (Meharscha) kennt drei Wege, woher die Träume kommen. 1. Durch Dämonen und solche Träume sind ohne Erklärungganz bedeutungslos. 2. Durch Einfluß der Planeten (macarecheth haschomajim). Diese gehen auch ohne Deutung in Erfüllung, können aber durch eine Deutung Änderungen erleiden. 3. Durch Engel. Diese dulden bloß eine Deutung und sind keiner Änderung unterworfen3). Diese ganze Geister- und Dämonentheorie haben einige Kationalisten durch physische Erklärungen umzustürzen versucht, konnten aber die Wichtigkeit und große Bedeutung der Träume nicht leugnen. Während wir bisher den Ursprung des Traumes im Himmel und in höheren Sphären suchten, wollen sie ihn in der Tiefe des Magens finden. Saadja Gaon sagt in der Einleitung zu seinen EmunothVedeoth: Manchmal sehen wir im Traume Gegenstände, welche uns des Tages beschäftigen, worauf sich Kohel. 52 bezieht: Der Traum kommt von vieler Beschäftigung. Manchmal wieder entstehen Träume durch Speisen, ihre Wärme oder Kälte und ihre Quantität, worauf Jesaja 298 hinzielt: Wie der Hungernde träumt, er esse, aber erwacht und sein Hunger ist nicht gestillt; wie der Durstende träumt, er trinke, aber aufwacht und siehe, er ist ermattet, seine Seele schmachtet. Ein andermal endlich entstehen Träume, wenn in der natürlichen Wärme des Körpers Unregelmäßigkeiten auftreten. Wärme und Feuchtigkeit z. B. bilden Freude und Schmerz, Kälte und Trockenheit hingegen machen Trauer und Sorgen, worauf Hiob 714 hindeutet: Du ängstigst mich mit Träumen und mit Gesichtern erschreckst du mich. Zuweilen mengt sich aber in den Traum auch eine höhere Andeutung (remezceljöni) der ihre Wichtigkeit nicht abgesprochen werden kann, wie die bereits erwähnte Hiob-Stelle 3315 zeigt. Der Agadaerklärer Isakb. Jedaja erklärt das Entstehen des Traumes folgendermaßen: Die Träume richten sich nach den Abendspeisen. Hat man viele und schwere Speisen gegessen, so dringt der schwere Dunst (cäschän) vom Magen in das Gehirn und verursacht schlechte und erschreckende Träume; ist aber der Magen nicht überladen, dann sind auch die Träume ruhiger. Hieraus erklärt sich das Faktum, daß die Morgenträume in ErfülluDg gehen4), weil die Speise schon verdaut und das Gehirn rein ist, der Traum also nicht vom Magen kommt5). Homer läßt Penelope und Nausikaa vor Tagesanbruch träumen, und dieser Traum bewährt sich6). In Schlesien gilt der i) Wie im Sohar I. 9b Naainah et consortes sich zwischen den MeeresweUen herumtreiben. 2)t. 560. Preller a. a.-O. 846. Nägelsbach, die homerische Theologie 161. 3) En Jakob Berach. 55. *) Berach. 55b. 5) En Jakob das. 6) Odyss.4, 841; 62 f.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.