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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1908-01-01 · 1 (1908) · p. Seite 26

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
11 (1908)
Issue
1 (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 26 (sequence 28)
Language
German
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— 26 " — und der Mann mußte wieder die Hilfe desselben bacal hachalöm in Anspruch nehmen, der den status quo ante dann wieder herstellte *). Ein Mädchen geriet in Gefangenschaft und wurde in das Haus eines Griechen gebracht. Da kam zu ihm der bacal hachalöm und befahl, das Mädchen freizulassen. Als er aber auf Wunsch seiner Gattin nicht gehorchte, wiederholte der bacal hachalöm seinen Befehl unter Androhung des Todes und das Mädchen gewann ihre Freiheit2). Dieser bacal hachalöm ist der Engel oder Geist, der den Menschen Träume von oben vermittelt. In der heiligen Schrift ist es in einzelnen Fällen sogar Gott selbst, der im Traume mit Propheten und Unberufenen spricht3). Selbst Laban und Abimelech (Gen. 31n_24) werden dieser Auszeichnung gewürdigt, obzwar nach Ibn Ezra (zur St.) unter Gott ein Engel, nach dem Sohar4) das große Heer Gottes zu verstehen ist, welches über den Traum gesetzt ist. Auch ßaba lehrt: Wenn auch Gott sein Angesicht von uns abwendet, im Traume redet Er mit uns5). Um die Frommen von den Sündern zu unterscheiden, redet Er mit ersteren bei Tag, mit letzteren im Dunkel der Nacht, aber er selbst ist der Gesandte auch für die Bösewichter6). Ben Sira hält nicht viel von Träumen, verurteilt sogar mit scharfen Worten den Glauben an solche, doch kennt auch er von Gott stammende Träume, die aller Ehre würdig sind7). Wenn Josef (Gen. 408) erklärt, daß die Traumdeutung bei Gott stehe, so will er damit sagen, daß der Traum von Gott komme, um damit die Zukunft vorauszusagen, daher meine Deutung weder nützen noch schaden kann8). Auch Mohammed läßt Allah selbst im Traume erscheinen9) und die Griechen glaubten allgemein, der Traum stamme direkt von den Göttern10), während Hippokrates und Galenus nur in manchen Fällen den Traum von den Göttern senden lassen11). Avicenna (980—1037) bestreitet den göttlichen Einfluß auf die Träume und beruft sich darauf, daß auch Hunde im Traume bellen; Averroes (Ibn Roschd 1126—1198) läßt aber den Traum von Engeln kommen, worunter jedoch die wirkende Intelligenz (sekhel hapöcel) und auch der bacal hachalöm zu verstehen seien12). In der nachbiblischen Zeit mochte man die Träume nicht auf Gott, sondern auf andere höhere Wesen zurückführen. Man griff naturgemäß zu den Engeln und unter ihnen zum agilsten und meist erwähnten: Gabriel. Er ist es, der Daniel im nächtlichen Gesichte das Geheimnis enthüllt13). Der Traum ist ein Sechsteider Prophetie und steht unter der Obhut Gabriels14). Nach!) Midr. Schir haschir. Grünhut 25 b. Auch Taan 23 b. 2) Aboth D. E. Nath. I. Vers. 17. ed. Sehechter. S. Bacher, E. E. J. XXXV. 238, Note 2. Midr. Talpij. 214b; Sefer Chasid. 102, 372 ed. Warschau. 3) Num. 126; I. Sam. 2815; Hiob 3315. 4) HI. 8a. ö) Chag. 5b. 6) Beth hamidr. IV. 90.?) 81^; 406. *) Bachja. Vajjescheb. 9) Sure 845. «>) Orient VII. 310. i1) Döllinger, Heident. und Judent. 654. *2) Magen Aboth 71a. ig) Daniel 219. Sohar I. 149b, 196a, Das. I. 183a.

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