Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 11 (1908)
- Issue
- 1 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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wel er merze-scixem (so irOtt will) bleiben. (a. a. Ö. Nr. 61.) Durch Frömmigkeit und Studium der heiligen Schriften kann der Sohn das Los der Eltern im Jenseits erleichtern: . . du mein lieb Kind, mit deine Zidkes (Frömmigkeit) folst pich mihen Dein Tatn vin Geh'nem (Hölle) arauszizihen . . . A( ich wel amul darfn auf jener Welt gehn, Wein (werden) di Thiren vin Ganejden (Paradies) offn steht. Du mein Kind Pollst mir Pein a frimer in a giter Wet men pugn auf jener Welt: Lost arein dem Zadiks Mitter! (Nr. 65.) Da das Studium der Thora der einzige eines Mannes würdige Beruf ist, so bildet der Eintritt in die Schule ein festliches Ereignis im Leben des Kindes und der Eltern. Das erstemal trägt der Vater den Knaben in seinen Gebetmantel gehüllt in das Glieder, wo er unter seine künftigen Kameraden Eosinen und Mandeln verteilt. Um den Knaben zum Lernen anzueifern, legen ihm die Eltern heimlich Geldstücke in das Buch, vorgebend, daß ein Engel ihn damit für seinen Fleiß belohne. Hat der Knabe aus dem Gebetbuch lesen gelernt, so gelangt er um das fünfte Jahr zum Studium des Pentateuch. Das ist wieder ein freudiges Ereignis für die Eltern, das nach Möglichkeit gefeiert wird. Es wird ein Mahl für Verwandte und Bekannte veranstaltet, wobei der Knabe vor seinen Kollegen einen ihm vom Melamed (Lehrer) einstudierten Vortrag, Druschi, hält, in dem er seine Kenntnisse leuchten läßt und die Wichtigkeit seiner Aufgabe hervorhebt. Nach dem Pentateuch kommt die Gemüri (Talmud) an die Reihe, auf welche andere fromme Bücher folgen. Von 9 Uhr früh bis \xj2 und von 3 bis 8 Uhr abends bleibt das Kind im Glieder, in einer engen, dumpfen Stube, die zumeist das einzige Wohngemach des Melamed bildet. Der Lehrer pflegt nicht an übermäßiger Geduld zu leiden und bedient sich als Unterrichtsmittel eines Kantschus mit Lederriemen, mit dessen Streichen er den Schülern gegenüber nicht sparsam ist. Darum stehen sie ihm auch feindlich gegenüber, gehen sehr ungern ins Cheder, und jeden Morgen hört man bei diesem Anlasse Weinen und Jammern. Die Mädchen verlieren wenig Zeit mit dem Lernen, es gilt für ausreichend, wenn sie nur hebräisch lesen gelernt haben. Das Studium des Gesetzes, die Kenntniss der heiligen Bücher ist nicht Aufgabe der Frau, und die Mutter bestrebt sich, ihre Tochter zu einem tugendhaften, stillen und frommen Mädchen zu erziehen, würdig eines biedern und gelehrten Mannes. (Fortsetzungim nächsten Heft.) 3