Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 11 (1908)
- Issue
- 1 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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— 17 — Kerze vergräbt man aucli auf dem Friedhofe106). * UIU JDClöUa-UU. «pxxr - - « - --ß--a -ja. JU^. TTWaWn e) Man verteilt Almosen unter die Armen. f) Man wendet sich an einen Wunderrabbi, damit er Gott um das Leben des Kindes anflehe. Das Honorar dafür beträgt immer 18 Geldeinheiten oder ein Vielfaches von . 18, dem Zahlenwerte der Buchstaben des Wortes "»n Leben. Alle diese Mittel werden auch bei anderen Krankheiten angewendet, wenn dem Kinde Gefahr droht. Am schlimmsten ist es, wenn das Kind am Mittwoch oder Freitag abends erkrankt. Am Mittwoch sind die Kinderkrankheiten auf die Welt gekommen. Aber auch in einem solchen Falle verlieren die Eltern bis zum letzten Augenblick nicht die Hoffnung, das Kind am Leben zu erhalten. Grenzenlos ist die Verzweiflung der Eltern bei dem Tode eines Kindes, und selten trifft man solche, die nicht schon mehrere Kinder verloren haben. Eine Mutter, „bei der sich keine Kinder halten", d. h. die das Unglück hat, ihre Kinder zu verlieren, wendet dagegen verschiedene Mittel an: a) Sie näht in die Kleider des Kindes ein Stück eines Leichentuchs ein, b) sie kleidet es in die Kleider eines gesunden Kindes aus einer gesunden Familie, c) sie läßt es durch einige Jahre Kleider und Mütze aus weißer Leinwand tragen, bis das Kind dieser Tracht überdrüssig wird. Die schlechte Ernährung, der Schmutz, die enge und dumpfige Stube, in der das jüdische Kind sein Leben zubringt, bewirken, daß es, wenn es dem Tode entgeht, schwächlich und gebrechlich bleibt, mit blasser, krankhafter Gesichtsfarbe und engem Brustkörbe. Die Knaben zumal bleiben in der körperlichen Entwicklung zurück, weil sie vom vierten Jahre an den ganzen Tag im Cheder beim Unterricht zubringen. Die wichtigste Pflicht der Eltern ist es, den Knaben von frühester Jugend auf zum „Lernen" anzuhalten, und den Vater, der diese Pflicht vernachlässigt hat. wird man, wie es im Volksliede heißt: „auf jener Welt brennen un' brüten". (Jewrejskija narodnyja pjessni w Rossij. Jüdische Volkslieder in Rußland herausg. v. Ginsburg und Marek. Petersburg 1901. Nr. 65.) Der Hoffnungstraum der Eltern ist es, den Knaben zu einem frommen und gelehrten Juden heranwachsen zu sehen, wie dies die Mutter schon im Wiegenliede ausspricht: Das Kind ivet lernen Toire. Flezalach mit Fiter wet men ihm schmieren, In Chejder arein wet men ihm fihren. Mitteilungen zur jüd. Volkskunde. Heft XXV. Jahrg. 1908. Heft 1. 3