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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1908-01-01 · 1 (1908) · p. Seite 15

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
11 (1908)
Issue
1 (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 15 (sequence 17)
Language
German
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— 15 — Bekommt ein Kind zum erstenmal Fraisen, so stülpt man eine Mulde darüber und zerschlägt an derselben einen neuen irdenen Topf85). Man beräuchert es auch mit „Teufelsfinger" oder reißt n-^TviaonKiitT: .weiter auf. Vor Fraisen schützt ein um- Hundeschwanz befindet86). Wird ein Kind von Krämpfen befallen, so bedeckt es die Mutter mit ihrem Brautkleide87). Einem Kinde, das an Gelbsucht leidet, wirft man ins Badewasser einen goldenen Ring, läßt es aus einem goldenen Becher trinken oder sich in flüssigem Teer spiegeln88). Skrophulöse Kinder läßt man sich in einem Schafstall oder unter Schafen aufhalten. Gegen Schmerzen oder Würgen im Halse läßt man das Kind in den Schornstein hauchen. Gegen Heiserkeit bestreicht man den Hals mit gesalzenem Talg oder bindet ein längliches Säckchen oder einen Strumpf mit heißer Asche oder heißem Salz um. Gegen Husten gibt man Kandiszucker und Eibischtee ein89). Leidet das Kind an Kopf- oder Augenschmerzen, so läßt man das Haar sich zu einem Weichselzopf verfilzen, von dem man nach einem Jahre täglich je ein Haar mit einem glühenden Drahte abbrennt90). Eine IAske („Fell" oder Blatter auf dem Auge) bestreut man mit kleingestoßenem Zucker oder gepulvertem Kauchtabak91). Ein Gerstenkorn am Auge, das übrigens als den Augen zuträglich angesehen wird, beseitigt man durch folgendes Zwiegespräch: „Was hast du auf dem Auge?" „Ein Gerstenkorn." „Du lügst, du hast ein Haferkorn." „Was hast du auf dem Auge?" „Ein Gerstenkorn." „Du lügst, du hast ein Roggenkorn." „Was hast Du auf dem Auge?" „Ein Gerstenkorn". „Du lügst, du hast ein Weizenkorn." Dieser Dialog wird dreimal, vor Aufgang oder Untergang der Sonne, wiederholt. Dasselbe Mittel wird auch bei Erwachsenen angewendet92). Wenn ein Geschwür im Entstehen ist, nimmt man einen Kamm, eine Kupfermünze, etwas Salz und eine Zwiebel, umfährt mit jedem dieser Dinge die schmerzende Stelle, dann wickelt man alles in einen Fetzen und wirft es auf einen Scheideweg93). Hat sich das Geschwür bereits gebildet, so macht man Umschläge aus Leinsamen oder in Milch gekochtem Weißbrot. Warzen bestreicht man mit Taubenblut94). Schorfkrusten um den Mund werden mit Fensterschweiß befeuchtet oder mit dem Hemdsaum abgewischt95). Brandwunden werden mit Salz bestreut oder mit Tinte bestrichen96). Bei Verwundungen legt man Butterbrot oder Brot mit Spinnweben auf97). Bei Nasenbluten legt man einen Schlüssel oder eine Münze auf den Nacken. Der Abgang des unreinen Blutes gilt übrigens als der Gesundheit zuträglich98).

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