Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 11 (1908)
- Issue
- 1 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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— 14 — o Gott, deinem Engel, daß er den „bösen Blick" von ihm nehme, und ihn in die leere Wüste trage, wo nur Geister und wilde Tiere hausen, damit er keinem lebenden Wesen schaden könne, weder gescnenen, mögen um im nanicii ues vjrubies xsraeis uic guten Engel behüten: zur Rechten Michael, zur Linken Gabriel, vor ihm Uriel, hinter ihm Rafael und über dem Haupte der heilige Abglanz unseres Gottes". Diese Formel muß man dreimal hersagen und nach jedem male ausspucken und die Stirne des Kranken belecken76). Weniger gefährlich als das Beschreien, aber für das Kind ebenfalls sehr schädlich, ist das Erschrecken. Um die nachteiligen Folgen des Schrecks zu beseitigen muß man a) das Hemdchen auf dem Leibe des Kindes zerreißen77); b) das Kind mit Hundshaaren beräuchern, wenn es von einem Hunde erschreckt worden ist78); c) über eine Besenrute in ein Glas Wasser ein rohes Ei oder Wachs gießen. Die Figuren, die sich aus dem Ei oder Wachs im Wasser bilden, zeigen an, wer das Kind erschreckt hat, und damit ist auch das Übel gehoben79); d) mit dem Harn der Mutter Gesicht und Mund des Kindes waschen; dies nennt man paßten; e) muß die Mutter, mit ihrem Hemde dem Kinde dreimal das Gesicht abwischen und nach jedem mal ausspucken80). Will man den Eindruck abschwächen, den der Anblick einer Leiche auf das Kind machen könnte, so läßt man es in vorgerückterem Alter mit der Hand die Hand eines Toten berühren, oder dreimal über das Stroh schreiten, auf dem eine Leiche gelegen hat81). Öfter schreibt man das Unwohlsein des Kindes dem varivjejen (Anwehen) durch einen schädlichen Wind zu, denn im Winde hausen böse Geister. Ein Vorbeugungmittel ist ein Amulet, das durch einen Wunderabbi ibergesprochen worden ist, ein Heilmittel das Beräuchern mit Bernstein. Das jüdische Kind wird häufig von Leiden aller Art heimgesucht. Am günstigsten ist sein Gesundheitszustand, so lange es die Muttermilch genießt, obschon er auch damals nicht selten viel zu wünschen übrig läßt. Erkrankt das Kind, so wendet man vor allem babsH Sachen (Altweibermittel) an und entschließt sich erst, wenn diese erfolglos geblieben sind, einen Arzt zu Eate zu ziehen. Gewisse kleinere Leiden heilt man jedoch ausschließlich mit den überlieferten Mitteln. So bestreicht man das Kind, wenn es ibergebrochen ist, mit Öl und mißt es dreimal, wobei man mit dem Munde schmatzt82). Leidet das Kind an Würmern, so reibt man ihm am Neumond den Nabel mit Ochsengalle ein83). Vor Würmern schützt auch Knoblauch am Halse getragen84).