Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 11 (1908)
- Issue
- 1 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜCllU K7VJtJ.---0_______ V _ wirtung bestellt in Sucher-KicMech, flachen, runden Küchelchen und mit Pfeffer gekochten kalt genossenen ganzen Erbsen. Die Beschneidung findet gewöhnlich des Morgens statt. Das gebadete, in die von den Ktvatern (Gevattern, Paten) geschenkten Kleidungsstücke gehüllte Kind, gelangt, von einer jeden der anwesenden Frauen der andern gereicht, endlich in die Hände der Kwatern (Patin), welche es dem Kwater (Paten) übergibt. Zu Ktvatern werden ehrbare Leute gewählt, da das Kind ihnen nachschlägt. Der Kivater reicht das Kind dem Ssandik, der in den Tälis gehüllt in einem Lehnstuhl sitzend das Kind auf den Knieen hält, während der Moü die Beschneidung vollzieht. Ist der Ssandik dieser Ehre unwürdig, so ist es der Prophet Elias, der das Kind hält. Nach dem Volksglauben muß dieser nämlich bei jeder Beschneidung zugegen sein, seitdem er einmal die Juden vor Gott beschuldigt hat, daß sie diesen Brauch nicht gehörig erfüllen. Die eigentliche Beschneidung besteht aus drei Akten, 1. der Entfernung der Vorhaut mit Hilfe eines der Quere nach geführten Schnittes, 2. dem Zerreißen des inneren Häutchens der Vorhaut mit dem Fingernagel und dem Umstülpen derselben nach hinten, und 3. dem Aussaugen der Wunde. Die Vorhaut wird in Sand gelegt, und wenn sie verfault ist, weggeworfen oder verbrannt. Nach der Operation wird dem Kinde der Name eines verstorbenen Familienmitgliedes beigelegt, gewöhnlich der eines frommen und rechtlichen, da mit dem Namen auch die guten Eigenschaften des Verstorbenen auf das Kind übergehen. Das Kind geht nun aus den Händen des Kivaters in die der Ktvatern über, die es eiiier Frau zum Stillen gibt; die Milch der Mutter könnte dem Kinde wegen ihres aufgeregten Zustandes schaden. Die Beglückwünschungen nehmen kein Ende und ein reichliches und geräuschvolles Mahl beschließt die ganze Feier. Die letzte Gasterei findet am dritten Tage nach dem Bris statt. Ist der Knabe ein Erstgeborener der Mutter, so findet am dreißigsten Tage nach der Geburt die Zeremonie des Loskaufes des Erstgeborenen, Pidjin-haben pn ,plvjs (II. Mos. 13,13. IV. 18,16) in folgender Weise statt; Ein Koin (Nachkomme Ahrons), vor welchem das Kind auf dem Tische in einer silbernen Schüssel liegt, fragt die Mutter: „Ist das dein erstes Kind?" Auf die bejahende Antwort übergibt er dem Vater, von dem er fünf Rubel in Silber erhält, das Kind, das dieser der Mutter reicht. In Verlaufe des zwölf Wochen währenden Wochenbetts ist das Kind allerhand Zufällen sehr ausgesetzt, weshalb ihm in dieser Zeit die größte Achtsamkeit zugewendet wird. Damit das Kind gesund bleibe und nicht weine, wird während dieser Zeit a) die Wäsche der Wöchnerin und des Kindes nicht auf dem Boden, sondern im Zimmer aufgehängt43), Mitteilungen zur jüd. Volkskunde. Heft XXV. Jahrg. 1908. Heft 1. 2