Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 588 (sequence 613)
- Language
- German
- Belongs to
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588 Fl e seh, Der Pinax von Austerlitz. Stadt) war sein Nachfolger im Amte. Am Sonntag 2 Cheschvan 524 (= 9. Oktober 1763) fertigt er einen Gemeindebeschluß, durch welchen den Männern, welche durch den Morenutitel ausgezeichnet, ein Vorzug gewährleistet wird, so daß der wirklich geleisteten Steuer noch eine ideelle Steuer von 10 Gulden zugerechnet wurde, wodurch der Morenu (Gelehrte) in die Liste der höher Besteuerten eingereiht wird. Jakob Gleiwitz (später Rabbiner in A.) als Vorsteher und Moses Wolf Austerlitz als Geschworener unterzeichnen den Beschluß. Am Neumondstag des Schebat 524 (= 5. Jänner 1764) verläßt er Austerlitz und folgt einem Rufe der Gemeinde Richnawa (= Reichenau) in Böhmen1). Zu dieser Zeit waren die Verhältnisse der Gemeinde A. sehr trist. 1762 wütete ein Brand in A., die Synagoge und ein großer Teil der Judenhäuser fielen dem Brande zum Opfer. Die Gemeinde schickte zwei Abgesandte aus. den Gelehrten Israel aus Hersfeld2) und Heschel b. mhrr Chajim Kadisch, ,,damit diese im Lager der Glaubensbrüder Spenden sammeln, um das Gotteshaus und die verwüsteten Judenhäuser aufzubauen. Nach Abzug der Reisekosten und Ausgaben für Wegzehrung soll Israel Hersfeld 1) S. 220b fertigt er: srai f^BDMX p"pz jryS minn rr? min» Kiu^i p"pn s. auch S. 87a u. a. a. St. 2) Seine Nachkommen nannten sich Herzfeld (Hers Hersch Herz). Auf Seite 197b findet sich folgende Eintragung: „Am unten genannten Tage haben wir untersucht, woran es liegt, daß die religiösen Zustände in unserer Gemeinde sich verschlimmern; es wurde gefunden, daß die Männer, die mit dem Thorastudium sich beschäftigen, aus unserer Mitte schwinden. Nun hat auch Israel Hersfeld die Absicht uns zu verlassen, nachdem er hier keine Existenzmöglichkeit hat und mit seinem bisherigen Lohn das Auslangen nicht finden kann. So wurde beschlossen, den Genannten als Prediger in unserer Gemeinde anzustellen, damit er hier bleibe und sich ganz dem Thorastudium widme, wie bisher, lerne und lehre, dafür 1 fl. 15 Kr. pr. Woche bekomme, außerdem 45 Kr., welche er bisher pr. Woche erhalten, damit er 2 Gulden Wochenlohn habe (60 Kreuzer 1 fl. Konventionsmünze). Nachdem aber beide, der Rabbiner und*Israel Hersfeld aus der Gemeindekasse nicht erhalten werden können, schon aus Gründen des Rescriptes vom Gouverneur wie bekannt, so soll Hersfeld aus Privatmitteln besoldet werden." Geschehen Sonntag, Kislev Neumondstag 528 ( 22. 11. 1768).