Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 478 (sequence 498)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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478 Gr r u n w a 1 d, Mattersdorf. mit Silberknöpfen, die niclit angenäht, sondern nur angesteckt waren. Geschweifte Schoßröcke mit Stulpen, auch mit Silberknöpfen. Ein Maria Stuartkragen, genannt Krais. Eine Mantille, die vorn mit einer Silberspange befestigt war, als Überwurf, sie war meistens aus grünem Stoff. Sie hieß auch „Schülmantel", da man sie zu den Gebetstunden auch an Wochentagen umnahm. (Malbisch mejüchod litefillo.) Auf dem Kopfe trug man das Barett (Schabbesdeckel, Heibenbretel), unter welchem ein kleines Käppchen hervorkam. Bei allen religiösen Zeremonien, Besuchen und Familienfeiern wurde diese Tracht getragen. Bei Besuchen wurde das Heibenbrettel erst, nachdem man Platz genommen, aufgesetzt. Gelehrte trugen als Überrock den sogenannten „Power". Es war dies ein langer Mantel mit breiter Pelzverbrämung am Kragen und auf den Ärmeln. Der Rabbiner trägt das „Streimel" auf dem Kopfe. Der Chassam Sofer trug über dem Streimel keinen Talles. Ohne Heibenbrettel durfte niemand zur Thora gerufen werden, Fremde nur mit entsprechender anderer Tracht, z. B. mit Zylinder. Fand hiergegen ein Verstoß statt, dann mußte der Käufer der Alijoh eine Kerze oder „Ghaj Zalu ( 18 Kreuzer) als Strafe entrichten1). 175. Der Rabbiner trug am Sabbat, wie bereits angegeben, das Streimel, hingegen an Wochentagen den Schiffhut. 176. Ein langer Bart war Zeichen eines Sonderlings oder Porusch. Die Gelehrten gingen meist ohne Kinn- und Schnurrbart (Saar ha-meakkew es ho-achiloh). Freitag nachmittag ging es daher in „Baibierstuben", z. B. bei Harschl Schnürmacher, hoch her. Erst seit R. Simon Schreiber wurde es Sitte, einen Vollbart zu tragen. 177. Eine Chewrassude in Mattersdorf. Über eine solche „Chewra-Szudo" an Klein-Purim 5660 (= 1900) liegt ein gedrucktes Gedenkblatt vor. Ihm zufolge waren seit der letzten Ch. Ss. zwanzig Jahre verstrichen. Schon mit Tagesanbruch trafen mit der Bahn auswärtige 1) Hierüber entstand in Rechnitz ein heftiger Streit (vgl. Zipser a.a.O.).