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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 476

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 476 (sequence 496)
Language
German
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476 Grrunwald, Mattersdorf. 157. Vor langer Zeit lebte ein frommer Mann, Reb Maier genannt, der sein Leben der Selbstheiligung widmete. Ein Zweiling oder Drilling zu fasten war ihm nichts Seltenes. Von Sabbat zu Sabbat kam keine Fleischspeise über seine Lippen. Wann immer in der Nacht er erwachte, stand er auf, griff nach dem Tempelschlüssel, der ihm stets zurechtlag, ging in den Tempel und verbrachte die Zeit mit Lob und Preisung seines Herrn. Als er einmal zeitlich morgens den Tempel betrat, fand er ihn hell erleuchtet. Die Stammväter Abraham, Isaak und Jakob,sowie die anderen Heiligen der Vorzeit waren versammelt, um sich zur Thora aufrufen zu lassen. Als sie vollendet, verlöschten sie die Lichter. In diesem Moment fiel Reb Maier in tiefen Schlaf, von dem er erst erweckt wurde, als des Morgens die Schritte des ersten Tempelbesuchers erhallten. Die Owos hatten die Türe von außen abgesperrt. Der erste Besucher mußte den Tempel neuerlich aufsperren. Beerdigung und Trauer. 158. Kinderleichen bis zu einem Jahre trug der Liberer unter einem eigens dafür angefertigten langen, bauchigen Mantel, so daß man die Leiche nicht sehen konnte. 159. Neben das Jahr zeitslicht wurde in den Schloschim und am Jahrzeitstage ein Glas Wasser gestellt und ein Handtuch gehängt. 160. Bei einem Trauerfalle wurde am Abend, so lange die Leiche unbeerdigt war, mit zwei Schlägen Schül geklopft, in der Frühe wurde nicht geklopft, sondern nur „Im Schül" gerufen, und zwar nicht hell und melodiös, wie am Sabbat, sondern eintönig, schwermütig und rauh austönend. Es war auch für die Chewraleute das Signal, sich bereit zu halten. Fand die Beerdigung in den ersten Nachmittagsstunden statt, dann verschoben sie das Mittagsmahl bis nach dem Begräbnis. 161. Außer bei hervorragenden Leuten wurde die Leiche von den meisten Gemeindeangehörigen nur bis zur Brücke begleitet. Kinderleichen wurden durch das sog. Zausa, von wo ein schmales Gäßchen wieder zur Bahngasse hinausführte, zu Grabe getragen. In der nördlichen Friedhofsmauer befand sich eine noch heute kenntliche Fensterluke, die dazu diente,

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