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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 475

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 475 (sequence 495)
Language
German
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Grunwald, Mattersdorf. 475 Rebbe, Reb SchimenSoifer, erzählte, meinte der, er hätte fragen sollen, was jener von ihm wünsche1). 1) Diese Bemerkung lag um so näher, als auch dem Ghatham Ssofer (Ghut hamesch. 15) ein verstorbener großer Gelehrter im Traume erschienen sein soll, der Erbarmen vor Gott brauchte, woraufhin der Gh. ss. es für ihn erfleht habe. Beachtenswert ist auch 1. c. 24bff. die Austreibung eines Dibbuk durch den kleinen Finger des Besessenen. Zehn Bachurim bildeten Hand in Hand einen Kreis um diesen kranken Knaben. Der böse Geist fuhr durch eine Fensterscheibe, die dabei zertrümmert wurde, hinaus. Dort wurde in einem Sack ein schwarzer Hund bereitgehalten. In den fuhr der Dibbuk. Hierauf wurde der Hund im Sacke in die Donau geworfen. Eine solche Geisterbeschwörung, wie sie auch in einem besonderen Schriftchen aus Nikolsburg berichtet wird (hierüber u.ähnliches vgl.Verus[Markus],DerChassidismusS.343), ist wohl auf eine Art der Hysterie zurückzuführen, die sich u. a. darin äußert, daß Berührungen der Haut des Kranken Zeichen hervorrufen, daher wohl das Loch im Finger. — Wie der Gespensterglaube auch in nichtjüdischen Kreisen im Schwünge war, zeigt sehr drastisch Hans von Schweinichen in seinem „Memorial-Buch" (Vlg. Langen) S. 176, wo von einer Art Heinzelmännchen erzählt wird, das an Elia (vgl. S. 66 den „guten Engel") erinnert. Auch ihm wird ein Trank bereitgestellt, sein Erscheinen bedeutet Glück. Es spricht mit dem Ritter, der auch an das Gespenst streift, so daß er es für körperhaft halten muß. (Das Buch bietet nicht nur für die deutsche Kulturgeschichte im letzten Viertel des 16. Jahrhunderts, sondern auch für die jüdische Geschichte wertvolles Material. S. 56 wird ein „alter Junggeselle" erwähnt, „welcher einem Juden ähnlicher sah als einem Edelmann". Hans Schweinichen nennt ihn „den alten Juden". Juden als Pfandleiher: S. 127 in Köln, 281, 293, 296 in Prag, 215 in Kolin, 181 in Impol. Jude als Heiratsvermittler in hohen Adelskreisen S. 278. Barbarische Mißhandlung von Juden s. S. 279: „Wenn er des Morgens seinen Sack anzog und sein Gebet tat, da sie sich durch nichts irren lassen, zog ich ihm die Kappe über den Kopf und band sie zu und ließ ihn ganze Stunden also liegen. Die harten Eier, so er sich auf die Reise selbst gesotten und zum Proviant mitgenommen hatte, hieß ich ihm mit Speck schmieren. Einst hieß ich seine Kutsche gar in eine Pfütze umwerfen und hätte gern gesehen, daß der Jude den Hals gebrochen hätte; es wollt aber nicht sein. Auf dem letzten Nachtlager aber ließ ich meinen Jungen ihn fleißig schlagen und tat ihm also allen Verdruß an, den ich nur wußte und konnte ohne Verletzung seines Lebens." — S. 182: Betrug an einem Juden und räuberischer Überfall auf ihn durch einen Adligen. — Das Buch verzeichnet Räusche und andere Ausschweifungen so regelmäßig, wie in jüdischen Aufzeichnungen die täglichen Studienkapitel registriert werden.)

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