Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 474 (sequence 494)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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474 Grunwald, Mattersdorf. sich früher über dem Bach ein kleines Anwesen. Man nannte es „das dorchgeschossene Haus". Diesen Namen bekam es daher, weil die Machschefes (Hexen) an ihm keine eiserne Fensterläden duldeten. So oft solche angebracht worden, wurden sie von den Insassen des „schweren Wagens", d. i. ein Gefährt ohne Bespannung, das in der Nacht des Sabbatausganges in der zwölften Stunde unter großem Getöse durch die Straßen rollte und vornehmlich von den Kindbettern häufig gehört wurde, weggerissen. Um das Haus von diesem Übel zu befreien, veranstaltete man in demselben bis zum Niederbruche an den Hoschanoh Rabbo- und Schobuotnächten Gebetsversammlungen. Die Machschefes halten sich mit Vorliebe in Neuhäusel (ehemaliges Judenviertel) auf, wohin auch nach manchen Angaben die folgende Begebenheit von Chaim Cheskeles, allerdings ohne Klesmorim, verlegt wird. 155. Chaim Cheskeles ging einmal mit den Lackenbacher jüdischen Klesmorim (Musiker) nach Hirm, um auf einem Ball aufzuspielen. Es dämmerte bereits. Da kam ihnen eine lange Reihe eleganter Fahrzeuge entgegen, denen eine vornehme Gesellschaft entstieg, die den Daherkommenden Vorwürfe über ihr langes Ausbleiben machten und sie dann in einen märchenhaft prächtigen Tanzsaal führten. Dort wurden sie, während die Festlichkeit ihren Höhepunkt erreichte, auf das Vornehmste bewirtet. Auch im Geldgeben waren die Tanzenden nicht geizig, und fast nach jeder Runde flogen die Dukaten, die die Musiker freudig in die Taschen steckten. Da, in der Mitternachtsstunde, sie wußten nicht, wie ihnen geschah, fühlten sie den Boden unter den Füßen wanken, ein Schwefelgeruch verbreitete sich, die Lichter erloschen---das Bild war zerronnen. Als sie sich in ihrer neuen Lage zurechtfanden, bemerkten sie, daß sie in einem tiefenMorast standen. Die schönen glitzernden Dukaten waren zu Pferdemist geworden. 156. Isserl, eine ehrliche, brave Haut, war auf dem Beth Chaim mit dem Schaufeln eines Grabes beschäftigt. Als er in seiner Arbeit einmal aufschaute, da stand vor ihm sein längst verstorbener Bruder Küssl. Von Angst erfaßt, ergriff Isserl schleimigst die Flucht. Als er diese Begebenheit dem