Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 465 (sequence 485)
- Language
- German
- Belongs to
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Grunwald, Mattersdorf. 465 123. Man sagt: „De brauchst doch nix vo mo ze forchtn, ioch ob kane züsammengewachsene Agenbraunen". 124. „Auf dem Kadisch paßt der Borchüu oder „Auf dem Heudü paßt der Ono". 125. Wenn einer eine längst bekannte Neuigkeit auftischt, so sagt man: „Ghone mit de neie Zeitung". 126. Man hört öfters sagen: „Dü güter Gott, dü groisser Jichüd. Er hot in Rewoch, — ioch in Rüach". 127. Ein großer Wirrwarr heißt: „Heudl Beudl". 128. Wenn durch kleine Beträge eine große Summe zusammenkommt, sagt man: ,5Kose-Bolleu. 129. Wenn man eine fremde Schuld auf einen schiebt, so sagt der Beschuldigte: „Alle Lad auf Düschene". 130. „Jüdischen" heißt beschneiden, im übertragenen Sinn: „die Herzen jüdischen". 131. Geht jemand in nichtsalonfähiger Kleidung, so sagt man: „Wos kümmst de mitn Wochenproiches her?" 132. Stellt sich jemand früh zu einem Besuche ein, so sagt man: „Meroche daß Tog is". 133. Wenn jemand bei unrechter Gelegenheit verteidigt wird, sagt man: „Scholem ache". 134. Auf eine Mißwirtschaft sang man das Lied (vgl. „Mitt." IV, 126): „Esterl, mei Schwester!, wie geht es deu zü! Wenn mo will essen geh, stellt me erst zü, Wenn mo will trinken geh, hoilt ma n'Wei, Wenn me will schloifen geh, fallt es Bett ei.'4 Oder man gebrauchte kurz den Ausdruck: „Esterl mei Sehwesterl". 135. Beim Niederlegen sagt man nach dem Nachtgebet folgendes: Baal Gholem, Jezer Höre, geh weg vün mir Ich glab nix an dir. Ich glab nor an allmächtigen Gott, Der mich beschaffen hot. Im Genedem steht e Bam, Den wünsch ach alle meine böse Tram. Wenn ach heit Nacht wa eppes Schlachts choleme, War ach Morgen nit drauf fasten. Grunwald, Jahrb. f. jüd. Volksk. II. 30