Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 462 (sequence 482)
- Language
- German
- Belongs to
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462 Grunwald, Mattersdorf. 92. Wenn für ein Brautpaar Bettzeug eingeschüttet wurde, gab man unter die Federn zwei kleine Münzen. Dies zum Zeichen, daß die Ehe unzertrennlich sein soll, wie diese beiden Münzen. 93. Wenn im Tempel Jozer gesagt wird, ruft der Liberer vor dem Vorbeter Chaj Wekajom im Pijjut. Der Grund hierfür ist: damit er nicht immer Übles melde, indem er „Mes Mizwes" ruft, sondern auch vom Leben (Chaj) künde. 94. Der Liberer fungiert bei den Hochzeiten als Speisenträger als Gegenwert für die Abspeisung der Trauernden. Wegen dieser Sitte führt er auch den Namen Schames w' Sarwer (Schos, was auch in ,,Sosaun we-Simcho" aufgelöst wird). Bei den Hochzeiten trägt er fein Handtuch als Schärpe, die an der linken Hüfte zusammengehalten wird. 95. Bei Hochzeiten geschieht das Droschegeschenkausrufen in folgender feierlicher Weise. Der Sarwer stellt sich auf den Tisch und ruft mit lauter Stimme: „Schtike jofe beschas Droschegeschenk". Man reicht ihm dann die Geschenke einzeln hinauf, zuerst die der Kalleverwandtschaft, dann die der Chosensippe, die er unter einem launigen Spruch vorweist, wobei der Name des Schenkers genannt wird. Gewöhnlich wird das Geschenk höher angepriesen, als es wert ist, worauf der Sarwer in lustigen Worten den Wert richtigstellt. Ist die eine Ausrufung zu Ende, dann ruft der Chor der Tischrunde: „Chosenzad, Kallezad". Eine Probe: „Do schenkt die haziger Schwer, den de host gemacht es Beitele leer, zwölf silberne Leiochter. A Poar is scho doi, e soi sehn se aus, gfalln se dor, do host es Müster, de andere kümmen noach, ober des Watn toar doch nix vodrießen." — Darauf der Chor der Tischrunde: „Ghosenzad, Kallezad". — Der Sarwer mit lauter Stimme: „Opferts, opferts"; worauf ihm das nächste Stück hinaufgereicht wird. Namen, Sprichwörter, Redensarten, Kinderreime und Ähnliches. 96. Knaben, die auf den Rufnamen Gottlieb hören, heißen hier hebräisch Jeuez, in anderen Orten werden sie Jedidia genannt.