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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 460

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 460 (sequence 480)
Language
German
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460 Grunwaldj Mattersdorf. der Zug zur Chuppe bildete. Während bei einem Trauerfall der kürzeste Weg gewählt wurde und man möglichst die Gasse mied, wurde bei einer Chassene der längere Weg, wenn möglich über den Mühlberg, vorgezogen. An der Spitze des Zuges hält sich die Musik, worauf der Chossen, von den Mechutonim flankiert, denen zur Seite der Rabbiner schreitet, folgt. Ihnen schließen sich die verwandten Balbattim an, dann folgt die männliche Jugend mit brennenden Kerzen. Zuletzt kommen die Mädchen. Ist der Chossen bei der Chuppe angelangt, begeben sich die Musik und die Mädchen zur Kalle. Die Kalle wird, während die Musik voranschreitet, von den Machetenesten in die Mitte genommen, ihnen folgen die Frauen und Mädchen. Nach der Chuppe, von der nur zu bemerken ist, daß die Broches Achroines in zwei Partien geteilt werden, wird das Brautpaar ins Chassenehaus geführt, wo es in einem abgesonderten Zimmer das Mahl, „Hiedlfoppen" genannt, einnahm. Während des Zuges ins Chassenehaus tanzten ihnen die alten Mühmchen und Tanten in komischen Reigen und lebhaften Gesten vor. Dann wurde die Musik von der Jugend im Gasthaus bewirtet, hierauf dem Rabbiner und den Ortsbehörden ein Ständchen gebracht. Die Musik erschien erst wieder im Hoch, zeitssaale, wenn das Mahl zur Mitte gediehen war. Es fiel dies ungefähr mit Beendigung der Drosche des Rabbiners zusammen, womit der lustige Teil der Hochzeit begann. Hierunter wären hervorzuheben das Ausrufen des Droschegeschenkes und Darbietungen verschiedener Lustigmacher, von denen weiter unten einige Proben folgen. Die Speisenfolge war gewöhnlich: Fische, Suppe, Gansfleisch, kalter Braten und Gebäck. Die beiden letzten Gänge wurden mit nach Hause genommen, damit die Hausleute auch von der Hochzeitstafel beteilt würden. Jeder der anwesenden Balbattim gab dem Row ein Geldgeschenk. Die Mischeber ach gelder gehörten den Domestiken. Nach dem Benschen widmete man sich wieder der Musik und dem Tanz. Vom Tanzsaale wurde das Brautpaar in Begleitung je zwei männlicher und weiblicher älterer Anverwandten in das neue Heim geführt. Man nannte dies das Legenführen. Sobald man die Abwesenheit des jungen Paares bemerkte, wurde allseits gefragt: „Wü is die Kalle? Wü is die Kalle?" Des

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