Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 459 (sequence 479)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Grunwald, Mattersdorf. 459 von den nächsten weiblichen Verwandten abgeholt, der Schammes richtete den Bedeckstuhl her, indem er rief: „Gets her de Pelster, wü Chossen ün Kalle heit Nacht schloifen won". Die Braut wurde zum Bedeckstuhl begleitet, wo sich die Freundinnen eifrig bemühten, der Braut die Haarflechten aufzulösen. Kerzen wurden verteilt und während des Bedeckens angesteckt. Die Mechutonim und ihre Verwandtschaft holten den „Row" ab, die anwesenden Damen bildeten einen Halbkreis um die Kalle, und während die Musik eine ernste Melodie intonierte, nahm der Row das Bedecken in Anwesenheit des Ghossens und der Machutonim vor. Während die Rebezen das Bedecktuch befestigte, entfernte sich der Row mit den Balbatim. Dann wurden einige lustige Märsche zum Tanze aufgespielt. Mittlerweile rief der Schammes: „Zürn Chossenführenu. Der Chossen wurde von einem Bruder und Schwager in die Mitte genommen, ihnen folgte die männliche, sodann die weibliche Jugend. Unter Voranschreiten der Musik bewegte sich der Zug in das Haus, wo das Chossenführen stattfand, d. i. das Elternhaus des Bräutigams oder eines seiner nahen Anverwandten. Das Zimmer war festlich beleuchtet und der Tisch reichlich gedeckt. Der Chossen nahm an der Spitze der Tafel Platz. An seiner Seite lagen auf einem Sessel die Jomkippurkleidung und das Schabbesdeckel. Die Zeit wurde dort bis in die erste Nachmittagsstunde mit Musik und Tanz verbracht, um y2l Uhr wurde Schul geklopft. Die Balbattim, auch die Eltern des Brautpaares, beteten in Schül. Beim Crossen wurde, während sich die Mädchen zurückzogen, kurz Schemoneesre gebetet. Sodann wurde das Ankleiden des Ghossens zwei anwesenden Chassanim anvertraut. Über den Kleidern wurde ihm ein Kittel angelegt, auf den Kopf das Heibel und darauf das Schabbesdeckel. Der Chossen wurde ermahnt, den Trauring an den Finger zu stecken, um ihn im gegebenen Moment nicht suchen zu müssen. Nach dem Gottesdienst im Tempel rief der Schammes: „Zü de Chüppe". Die anwesenden Balbattim versammelten sich um den Trauhimmel, der vor dem Tempel aufgestellt wurde, während sich der Rabbiner, die Mechutonim und nahe Anverwandte zum Chossen begaben. Dort nahmen sie zu Ehren des Chossens einige Momente Platz, worauf sich