Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 458 (sequence 478)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2638044-2638085-2638086--2955-2640329- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
458 Grunwald, Mattersdorf. feiert. Tags zuvor fand das Challeftihren statt. Die Braut wurde in ein befreundetes Haus, das sich eine Ehre daraus machte, das Hochzeitsbarches zu backen, unter Musikklängen begleitet. Dort nahm sie vom Teig die erste „Challe". Am Abend veranstalteten die Brauteltern ein Mahl, welches „Kroiwimmohl" oder „Tükmohl" (Tauchbadmahl) genannt wurde. Die beiderseitige Verwandtschaft versammelte sich nach dem Abendgottesdienst, wo sie zunächst mit kleinen Leckereien und Wein bewirtet wurde. Plötzlich wurde allseits gefragt, „wo ist die Kalle?" Die Kalle hatte sich mittlerweile in Begleitung einer Schwägerin oder verheirateten Schwester zu einer Angelegenheit entfernt, die im Namen des Mahles genügend gekennzeichnet ist. Bei der Rückkehr wurde die Braut freundlichst begrüßt. Nun begab man sich zum eigentlichen Mahl, wo es recht mimt er zuging. In früherer Zeit fand sowohl das Ghalleführen, als auch diese Vorfeier mit Musikbegleitung statt. In vorgerückter Stunde begab sich die Musik in das Ghassenehaus, wo sich die Jugend bei Tanz noch lange belustigte. Zum Morgengebet fand sich die ledige Verwandtschaft bereits in Festtracht ein. An der rechten Rockseite waren farbige Kokarden oder Maschen mit langen Schleifen befestigt. Nach Beendigung des Gottesdienstes begaben sich etwa fünf junge Leute auf den Markt, wo die Musik bereits versammelt war. Unter klingendem Spiel hielt die Musik, der die obengenannten jungen Leute voranschritten, ihren Einzug in die Judengasse. Sie spielte im Ghassenehaus einige Stücke, bis sich die gesamte Ortsjugend versammelt hatte. Von dort begab sich die Musik in das Haus des Bräutigams. Der wurde zur Braut begleitet und beide dann unter lustigen Klängen in das Chassenehaus geführt. Dort wurde der Vormittag mit Musik und Tanz verbracht, an welchem sich auch in vorgerückter Vormittagsstunde die Frauen beteiligten. Der Chosen zog sich zuweilen zurück, um in Würdigung des Tages sich dem Gebete und Tillimsagen zu widmen. Um 11 Uhr rief der Schammes mit lauter Stimme durch die Gassen: „Alle Leit sollen kümmen zürn Bedecken" und allmählich nahm die Unterhaltung ein ernstes Gepräge an. Die Balbattim erschienen in sabbatlicher Kleidung im Ghassenehaus, die Rebbezen wurde