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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 457

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 457 (sequence 477)
Language
German
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G r u n w a 1 d, Mattersdorf. 457 86. Bei einer Verlobung erhielt die Braut neben dem Kalle-, scharbelochgeschenk, das sie gewöhnlich in einer perlengestiekten Börse bekam, von der Schwiegermutter auch in Silber gefaßte herzförmige Schrecksteine (Blutsteine). Am Hochzeitstage erhielt die Braut vom Bräutigam einen goldgewebten Gürtel zum Geschenk. 87. Die Woche, in der die Hochzeit stattfinden soll, nennt man die „Maestwoche", da in ihr das Brautpaar von den Anverwandten mit Leckereien beschenkt wird. Der Chossen bekam vom Schwiegervater einige Tage vor der Hochzeit eine goldgestickte Samtkappe mit einer langen Troddel aus Gold, welche er zum Knasmahl das erstemal aufsetzte, so daß er bei diesem Mahle „Bebigde Hamaloch Hagoel" —wie man hier sagt — dasaß (Chossenkappel). 88. Am Schabbes vor der Hochzeit wurde das Knaßmahl abgehalten. Der Bräutigam wird zu Mussaf „hoich aufgerufen" und eingesungen. Zu Mittag wird er beschenkt. Ebenso die Braut. Beim Knaßmahl am Nachmittag vor der Hochzeit erscheinen Leute beiderlei Geschlechts. Meistens fand das Mahl nur bei der Braut statt, wohin sich auch der Chossen begab. Die Gäste wurden dort reichlich bewirtet. 89. Die Hochzeiten wurden in der Regel am Mittwoch geheutigen Egypter II, 70. In der de Goeje-Festschrift S. 5 erwähnt Houtsma, daß man in Persien bei Hochzeiten auf den Deckel eines Topfes eine der Braut gleichende Gestalt malt und diese den Gästen zeigt, wenn sie kommen, die geschmückte Braut zu sehen. Der von dem bösen Auge zu befürchtende Schaden soll, statt der Braut, dieses Bild treffen. Dann wirft man den Topf vom Dache mit dem Ausrufe: „So möge das böse Auge brechen." Mit diesem Volksglauben hängt auch die Einrichtung der Brautführer zusammen (vgl. dies. Jahrbuch 1923, S. 474). — An demselben Orte (Mitt. schles. G. f. Vlkskde.) behandelt Frankel mit Hinweis auf Diels das ,,Zucken als Vorbedeutung". Er zitiert besonders eine arabische Abhandlung hierüber aus dem 9. Jahrh., in der u. a. vom Zucken der Schultern die Rede ist. Auch in der hebräischen Literatur findet sich über den Gegenstand mancherlei, wovon einiges im „Ben Ghananja 1861 S. 192 u. 1864 S. 149 zusammengetragen ist (wo auch auf das „Schulterzucken" bei d'Herbelot Art. Actaf verwiesen wird). Ein solches handschriftliches „Sefer harefafot" (Buch der Zuckungen) gedenke ich demnächst zu veröffentlichen. S. auch „Jahrbuch" 1923 S. 475.

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