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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 456

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 456 (sequence 476)
Language
German
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456 Grunwald, Mattersdorf. 78. Der Briss. Die Wunschform für den Baalhabriss war „dü sollst ihm megaddel sein leteuroh, lechüppo und lemasim teuwima. Fand ein Beriss an Sabbat statt, dann gehörten alle Alijes demBaalberiss, und er konnte die Zahl der Aufzurufenden beliebig vermehren. Die Gemeinde besaß für Beschneidungsfeiern ein Kinderkissen nebst reiehgezierter Decke. 79. Am Morgen des „Firganges" (ersten Ausganges) betete ein Minjan im Hause der Wöchnerin. Sie blieb nur im Tempel, bis ihr Mann zur Thora gerufen worden war. Dann ging sie, von den Frauen begleitet, nach Hause, wo neue Bewirtung stattfand, bei der die obligaten „Pusserl" nicht fehlen durften. 80. Bei einem B'riss tragen der Vater, der Gevatter und der Mohel die Sterbekleider. Im Vorhofe der Synagoge werden von der Gevatterin auf die im Tempel anwesenden Kinder Nüsse geworfen und Lebkuchen („Busserl") an sie verteilt. 81. Um das Kind vor der Machschefe (Lilith) zu schützen, wird unter das Kissen eines Neugeborenen ein Messer gelegt, da in Abwesenheit eines Erwachsenen das Kind zu Schaden kommen könnte. 82. Die Kinder lernten im Sommer Sabbatnachmittag bei dem Melammed den Perek. Um drei Uhr wurde in Schül gerufen „zum Schiur", wo gleichfalls der Perek vorgetragen wurde. 83. Vor dem Minchagebete rezitierten die Schulkinder mit ihrem Rebben „Aschre themime dorech". 84. Bei einer Barmizwahfeier schenkte man dem Knaben 13 Eier. 85. So wie man heute den Verlobungsring gibt, war es einst Sitte, daß der Bräutigam der Braut in einer Geldbörse einige Dukaten gab. Man nannte dieses Geschenk „Kalescharbelochgeld"1). 1) Im 19. Heft der „Mitteil. d. schles. Ges. f. Vlksde." S. 28 führt S. Frankel aus Moqadassi einen Bericht über Verlobungen in Bajär an, bei denen nach dem Unterschreiben des Ehekontraktes alle Anwesenden Flaschen mit Rosenwasser, die sie während der Feier in der Hand gehalten, an die Wand werfen. Frankel erblickt hierin einen Abwehrzauber, ebenso in dem Zerbrechen eines Kruges vor einer am Hochzeitshause sich versammelnden Menge bei Lane, Sitten u. Gebräuche der

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